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Kurzgeschichten

Auf diesen Seiten finden Sie Literarisches aus und über den RDL. Einige Geschichten werden nur Mitgliedern der Community angezeigt.

03:01 Uhr (UNL)
Eine Kurzgeschichte aus der UNL von Mirko Beine.
Die große Schlacht (Liberty vs. RDL) Tag der Einheit
Kurzgeschichte zum [i]Tag der Einheit[/i] in der UNL von Mirko Beine
Auf dem Heimweg Die Konferenz Ungewissheit
Eine Kurzgeschichte aus Lod von Karsten Müller
Barbaras Gang Erfahrungen in Zartbitter Uurla und die Rübe
Eine Kurzgeschichte aus dem Uppland von David Grade.
Departure Preis der Beute
Eine Kurzgeschichte von Jan-Tobias Kitzel.
Vergiss mich nicht
Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Sebastian Oswald
Der Anfang vom Ende... Schlacht um Stawa
Eine Kurzgeschichte von Mirko Beine und André Wiesler.
Von oben nach unten
Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Jan-Tobias Kitzel

Zu den Waffen

Eine Kurzgeschichte von André Wiesler

Admiral Seel strich über das ins Haileder eingeprägte Wappen des RDL und die Wölbungen der Kugeln zähmten seine Wut ein wenig. Man ließ ihn warten, was in der augenblicklichen Lage schlimm genug war. Aber man ließ ihn warten, wegen einer kleinlichen Diskussion über irgendeinen Patentstreit zwischen Stawa und Scientia.
Während da draußen in den Tiefen seine Männer und Frauen einen erbitterten Kampf gegen das Piratenpack führten, stritten sich hier die feinen Ratsmitglieder die Köpfe über eine Rechtsfrage hitzig, die auch ein einfaches Schiedsgericht verhandeln könnte.
Seine Finger zählten die Kugeln auf der Prägung der Kladde. Sieben waren es – noch vor kurzem hatte er die Befürchtung gehegt, man müsse die eine oder andere einebnen, aber der Rat der Länder hatte wieder zusammengefunden.
Es geht doch nichts über einen gemeinsamen Feind, dachte er schmunzelnd, wurde dann jedoch wieder ernst. Dieser Feind darf nur nicht gewinnen ...
Endlich ließ man ihn vor. Er umfasste die Kladde entschlossen und trat ein. Der Raum war eines so bedeutsamen Gremiums eigentlich unwürdig. Er war zu schlicht, strahlte zu wenig große Staatsmacht aus. Das hier war eher ein Konferenzsaal ... aber man war schließlich in Lod, da war geschäftsweltliches Gebaren zu erwarten.
Er erwiderte die teils freundlichen, teils skeptischen Blicke ohne Lächeln und trat stumm an das Sprecherpult, das man für Gastredner und Antragsteller aufgestellt hatte. Der eingebaute Teleprompter blieb leer – er brauchte für das, was er sagen wollte, kein Skript.
Mit einer schwungvollen Bewegung warf er die Kladde auf den runden Tisch, wo sie durch den in feinen Nebel projizierten holographischen Aufbau eines Computerbauteils schlitterte - vermutlich der Grund des Patentstreits - und schließlich auf dem Tisch liegen blieb. Nur für diese große Geste hatte er sie bei sich.
Die Ratsmitglieder folgten ihr mit den Augen, wandten sich dann verwundert dem Admiral zu. Bevor der Vorsitzende eine erste Frage stellen konnte, eröffnete Seel seine Rede mit lauter Stimme - er hätte auch die Mikrofone nicht gebraucht. Jahrzehnte des Kadetten schleifens hatten seine Stimmbänder trainiert.
„Das dort ist die Erklärung einer bedingungslosen Kapitulation. Sie sagt aus, dass der RDL all seine Schiffe und Kuppeln an die Piraten überantwortet. Ich erwarte, dass Sie alle sie noch heute im Namen Ihrer Länder unterzeichnen.“
Die Ratsmitglieder sahen sich verwundert an, der Abgesandte des BFS lachte gar erheitert auf, verstummte dann aber, als Seel weiterhin wirkte, als meine er seine Worte vollauf ernst.
„Nun? Sie scheinen unwillens? Das verwundert mich.“
„Admiral Seel, ich denke wirklich ...“
Seel unterbrach den Vorsitzenden ohne einen Funken Reue. Große Titel schüchterten ihn nicht ein, dafür hatte er zu oft dem Tod ins Auge geblickt. „Auf diese Weise können wir zumindest größere Verluste verhindern. Da draußen“, er wies ins Unbestimmte, „kämpfen tapfere Männer und Frauen gegen die Piraten. Wenn Sie diese Erklärung unterschreiben, ersparen wir ihnen zumindest die Schmach einer Niederlage.“
Der Abgesandte der UNL erhob sich empört: „Soldaten der UNL werden sich niemals Piraten ergeben.“
Seel lächelte schmal: „Wie könnten sie auch? Sie halten sich ja vornehm aus dem Kampf heraus.“
„Was für eine Unverschämtheit! Wie können Sie es wagen ...“
Seel aktivierte den Holoprojektor und rief ein Schaubild auf, das die Anteile der einzelnen Länder an der Piratenjagdflotte auswies, sowohl mengenmäßig als auch in relativer Kampfkraft. In beiden Bereichen schnitt die UNL am Schlechtesten ab. Der Abgesandte verstummte, wirkte aufrichtig erschüttert.
„Der RDL kann es sich nicht leisten, die Piraten gewähren zu lassen. Wir haben Liberty in seine Schranken gewiesen, aber dieser Feind zernagt uns aus dem Inneren! Wir müssen mit aller Macht zuschlagen, und das ist mit den paar Schiffen, die bisher auf der Jagd sind, nicht möglich.“
Er drückte einen weiteren Knopf und die geschätzte Größe und Kampfkraft der Piratentrupps wurde eingeblendet. Es war zugegebenermaßen eine großzügige Schätzung, die zudem berücksichtigte, dass die im Moment verfügbaren Schiffe sich für die Jagd oft in kleiner Trupps aufteilen mussten. Aber der Zweck heiligte die Mittel, und der Zweck war erfüllt: Die Ratsmitglieder unterhielten sich leise miteinander, musterten überrascht oder entsetzt das Schaubild.
„Admiral, das ... das kann doch nicht sein? Es sind immerhin, nun ja, nur Piraten?“, erkundigte sich der Vorsitzende.
„Piraten, denen man modernste Waffen und geheime Informationen zur Verfügung stellt. Dieser Krieg wird an zwei Fronten geführt. Geben Sie mir eine Chance, meinen Anteil zu leisten!“
Seel wurde gebeten, draußen zu warten. Nach beinahe zwei Stunden rief man ihn wieder hinein. Die Gesichter der Ratsmitglieder waren erhitzt, man warf sich grimmige Blicke zu und Seel war seltsam erleichtert, dass bei einer so wichtigen Frage die Strömung im Rat wenigstens heftiger wurde, als bei einem Patentstreit.
Der Vorsitzende wies auf einen Stuhl, was auf ein längeres Gespräch hindeutete. Ein kurzes Lächeln huschte über seine Züge, dann fragte er: „Was brauchen Sie?“

Fathers Login

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Jan-Tobias Kitzel

Michael streckte sich müde und zufrieden auf dem Bett, bis sein Nacken protestierend knirschte. Ein tadelndes "Tsts" kam von der Seite. Er drehte sich um und strich Sarah eine Strähne ihrer blonden Locken aus dem Gesicht.
"Hey, jeder wird alt." Er stupste sie liebevoll in die Seite. "Auch bei dir werden irgendwann die Knochen knacken!"
Sarah lachte und schüttelte den Kopf. "Aber ich werde wenigstens in Würde altern und mich nicht bei jeder Gelegenheit über meinen Zustand beschweren."
Er zog die Oberlippe voll offen gespielter Entrüstung nach oben.
"Jetzt hör aber auf, 55 ist aber auch ein stolzes Alter."
Sie strich ihm sanft über den Oberkörper.
"Dafür hast du alter Shark dich aber gut gehalten!" Dann beugte sie sich zu ihm herüber und küsste ihn.
Er erwiderte den Kuss, schob ein paar störende Gedanken wie ausgebildet beiseite und ergab sich in sein Schicksal.

Eine halbe Stunde später döste Sarah, eingerollt wie ein zufriedenes Kuscheltier mit dem Kopf auf seiner Brust. Vorsichtig schob er seinen Arm unter ihre Achsel und drehte sie auf ihre Seite des Betts. Selbst im Schlaf gelang es ihr, protestierend zu grummeln, aber dann nahm sie der Father des Schlafes behutsam in seine Arme und sie war wieder völlig weg.
Leise stand er auf, zog seinen Morgenmantel über, den er wie einige andere seiner Sachen mittlerweile in ihrem luxuriösen 15-Quadratmeter-Apartement hinterlassen hatte. 15 Quadratmeter. Als M-9 PettyOfficer im Dienste des Verteidigungsministeriums verdiente man in Liberty wahrlich nicht schlecht. Wenn er an seine Minibehausung während der LND-Ausbildung zurückdachte, lief es ihm kalt den Rücken herunter. Mit vier Agenten in Ausbildung auf 20 Quadratmetern war wahrlich keine Freude gewesen. "Und die Bezahlung ist auch noch mies. Warum mache ich das hier eigentlich?", murmelte er vor sich hin, während er das in den Schreibtisch eingelassene Computerterminal startete.
"Für Ruhm und Ehre des Vaterlands", murmelte er weiter und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Och, komm, und weil du die Gefahr liebst.
Das stimmte allerdings auch. Schon merkwürdig, wenn man aktiv mit seinem Gewissen sprach. Aber die einsamen Monate als LND-Agent brachten einem so manchen Trick bei, um nicht bekloppt zu werden.
Mit einem Piepsen meldete der Computer Startbereitschaft. Michael aktivierte das virtuelle Büro, von dem aus Sarah auch von zu Hause aus arbeiten konnte. Was als aufstrebende Liberty ja auch quasi von ihr erwartet wurde. Ihr nächster Aufstiegstest stand bald an und da konnte etwas Zusatzarbeit an den Wochenenden nicht schaden.
Es tat ihm fast leid, dass er ihr Login jetzt für seine Zwecke missbrauchen musste, aber ... er schaute auf ihren nicht mehr wirklich in Form gehaltenen Mittfünfziger-Körper ... er hatte dafür auch Opfer gebracht.

Drin. Das Login der Woche hatte er gestern abend aus ihrer Jacke stibitzen können und nun war er endlich, endlich nach mehr als drei Monaten des Einschleimens, virtuell ins "Ministry of Navigation & Shipping" eingebrochen. Hoffentlich war Sarah hoch genug freigeschaltet, dass er an die wirklich interessanten Infos herankam. Er zog seinen Mini-Computer aus der Tasche und rief die Checkliste auf, die ihm sein Vorgesetzter über die RDL-Botschaft hatte zukommen lassen. Was sollte er denn noch mal alles besorgen? Ok, zuallererst also Infos über den Stand der Arbeiten am neuen Shark-Modell. Das sollte hier sicherlich zu finden sein.
Da fiel ihm in der unteren Ecke des - selbst nach mehr als einem Jahr als "falschem Liberty" immer noch ungewohnten - Computerdesktop das blinkende Mailsymbol auf. "Wer schreibt dir denn um diese Uhrzeit, liebe Sarah?", kam es ihm leise über die Lippen.
Einen Klick später öffnete sich die Mail, die von einem ihrer Kollegen aus dem Ministerium, dem M-7 PettyOfficer Sanderson, stammte. Zwei Sätze.

"Bitte denk daran, morgen die Buchungen freizugeben und wie üblich unter "Father-Schiffsschutz" zu verbuchen. Da sucht eh nie einer."

Dann löschte sich die Mail von alleine. Ohne Wiederherstellungsmöglichkeit. Nanu, worauf war er denn da gestoßen? Er ließ den Mini-Computer wieder in seiner Tasche verschwinden und machte sich stattdessen daran, die alten, noch nicht gelöschten Mails seiner "Angebeteten" durchzugehen. Er kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie niemals alles löschen würde. Ein paar Gedächtsnisstützen brauchte die Gute. Bürokraten waren in allen Ländern gleich.

***

Seine Beine brannten. Er lief so schnell es eben ging über den metallenen Gang. Nicht aufzufallen war jetzt seine geringste Sorge. Brackwasser und der Geruch nach altem Frittieröl bestimmten den geruchlichen Hintergrund dieser einfachen Wohngegend. Michaels Augen zuckten über die Gangwände. Apartement 68 musste hier doch irgendwo sein? "Nur im Notfall aufsuchen", schoss es ihm durch den Kopf. Völlig egal in dieser Situation.
Da!
Michael hämmerte an das Schott zum Apartement. Hinter der schlecht isolierten Tür wurde Musik heruntergedämmt, dann schlurften Schritte zur Tür. "Ich bin Drittschichtler, ich muss pennen. Wer stört?!"
"Ich kannte mal eine Frau namens Itte, aber nicht ihr Schiff!"
Eine Sekunde Stille. Dann kam von innen: "Macht nichts, ich kenne dafür ihr Dock."
Das Schott wurde in die Wand geschoben, starke Hände ergriffen Michael und zogen ihn ins Apartement.
Sein lokaler Vorgesetzter stand vor ihm, bekleidet mit Boxershorts. Und einer Socke. Mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Unverständis und offener Wut schwankte.
"Bist du völlig bescheuert, her zu kommen? Hat dich jemand gesehen?"
Der kahl geschorene Mann, der sich tagsüber als Dockarbeiter langsam bei Schiffszulieferern einschleuste, packte ihn mit einer seiner beeindruckenden Pranken und zerrte ihn erst in die Wohnung und dann an der Kleidung herum.
"Und wie siehst du überhaupt aus? Hast du nicht gesehen? Dein Makeup am Hals ist völlig unregelmäßig? Wann hast du das letzte Mal nachgeschmiert?"
Michael stieß ihn von sich.
"Hey, hör auf, meine falsche Libertyhautfarbe ist jetzt mein geringstes Problem. Ich hab Infos, die sofort raus müssen an die Chefs!"
Harry sah ihn skeptisch an. "Derart wichtig?"
"Wichtiger!"
Er sah das Zögern in den Augen seines lokalen Vorgesetzten. Aber warum sollte ein gestandener LND-Agent seine Tarnung derart durch den Mixer jagen, wenn es nicht unglaublich wichtig wäre?
"Ok, aber du musst selbst fahren. Der nächste Kurier kommt erst in einer Woche von der Botschaft rüber."
Harry zögerte.
"Wenn du einmal hier weg bist, wirst du nicht mehr zurück können, dass muss dir klar sein."
"Fatherklar!"

***

Der Shark lag gut im Wasser, das Libertyschiff war einer RDL-Makrele von der Geschwindigkeit her fast ebenbürtig. Fast. Michael massierte seinen Nacken. Das erste Mal seit Stunden. Langsam fiel die Anspannung von ihm ab, er hatte die am dichtesten überwachten Gewässer bereits hinter sich und bei zwei Überprüfungen an Chokepoints hatte seine falsche Geschichte gehalten. Ein letztes Mal hatte ihm Sarahs Login geholfen, der falsche Befehl des Ministeriums war der Türöffner. Nur noch wenige Stunden Fahrt, dann war er an der geheimen Tankstation des RDL in Libertygebiet angekommen und konnte in einer auf Speed aufgemotzten Kuriermakrele richtig Stoff Richtung Lod geben. Die Infos mussten zum LND. Und dann zum Rat.

Das Schiff lief auf Autopilot. Er ging nochmal die gesammelten Mails von Sarah durch und die heruntergeladenen Dateien vom Ministerium. Die geheime Gruppierung, der Sarah wohl offensichtlich angehörte, gehörte zu den Kriegstreibern, denen der nächste Krieg mit dem RDL nicht schnell genug kommen konnte. Aber selbst diese Hirnis waren nicht völlig bescheuert und wollten den RDL erst richtig schön zurecht stutzen.
Er wischte sich eine Träne der Trauer und der Wut aus dem Auge. Seine Schwester war bei dem Überfall auf die LZS "Neuer Morgen" durch die Piraten gestorben. Und jetzt las er, dass vor einigen Monaten wohl eine Zelle des Netzwerks in Scientia Kontakt mit dem Liberty-Botschafter aufgenommen hatte. "Der Feind meines Feindes" und der übliche Dreck. Irgendwie hatten sie eine dem RDL unbekannte Piratengruppierung aufgetan, sie wirtschaftlich hochgepowert und klare Anweisungen gegeben, wie der RDL wo am besten zu treffen war. Die Anweisung, möglichst viel Leid dabei zu säen, kam den Piraten sicherlich nicht ungelegen. Jagte die Beute in die Höhe. Und Panik in den RDL. Angst und Schrecken in der Zivilbevölkerung zu verbreiten war schon immer eine beliebte Kriegstaktik. Angsterfülltes Hirn kämpft nicht gern. Das Netzwerk sorgte unterdessen für ein Erlahmen der RDL-Wirtschaft durch Sabotage wichtiger Betriebe. Dann würde ihnen der RDL wie ein blinder Fisch ins Netz gehen. Geschwächt durch die Vorbereitungen und irgendein Kriegsgrund war in fast jedem Staat - erst recht in einer Militär-Theokratie-Diktatur wie Liberty - schnell gefunden.
Michael hieb auf die Konsole und wischte sich eine Träne weg. Was für ein Scheiss, dass die Lage der Piratenbasen nicht verzeichnet waren, die Koordination hatte das Netzwerk übernommen, Liberty "lediglich" das Material geliefert. Und das in rauen Mengen. Die Piraten waren fast genauso gut ausgerüstet wie URT-Truppen. Und die Liberty-Kontaktleute lieferten weiter, versteckten die Lieferungen und dazugehörigen Buchungen vor den eigentlichen Entscheidern. Nach allem, was er gelesen hatte, war es eine Revolution von innen, die da in Liberty gärte. Die Mitglieder der geheimen Gruppierung gehörten nicht zu den ganz hohen Ebenen, es waren kriegsgeile Mittelrängler. Also die, die täglich die eigentliche Verwaltungsarbeit taten. Und auf die nicht so scharf geachtet wurde. Die mit einem Klick Ersatzteile, waffen und Wissen verschieben konnten. Und wenn sie ihr Handwerk verstanden, fiel es "denen da oben" nicht auf. Die Bürokraten waren doch in allen Ländern gleich. Nur hier wurde mit dem Blut der RDL-Bewohner unterzeichnet. Mit dem Blut seiner Schwester.
Er drückte den Schubstick nach vorn, bis er im roten Bereich angelangt war und das Röhren der Maschine alle Gedanken betäubte. Ein schöner Zustand, wenn auch trügerisch.
Die Infos mussten zum Rat, damit die Flotten vorgewarnt wurden. Sie erwarteten Kämpfe gegen die üblichen schlecht ausgerüsteten Piraten. Und liefen mitten in ein offenes Messer.

In die Pfanne gehau?n

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Karsten Müller

Stolz und ein wenig ängstlich hielt es Lukas vor sich in den hellen Schein der einzigen Kombüsenlampe, die noch eingeschaltet war. Mein erstes Hühnerei.
Er lächelte. Was die Kameraden wohl sagen würden, wenn herauskäme, dass er seinen halben Monatssold für dieses kleine Vergnügen ausgegeben hatte. Er kannte dieses Nahrungsmittel aus einem ARTefakt. Einen Roman aus einer Zeit, in der es diese Dinger anscheinend in Hülle und Fülle gegeben hatte, denn die Hauptfigur aß sie in rauen Mengen. Und meistens als sogenanntes Spiegelei mit Schinken. Er hatte mit seinen begrenzten finanziellen Mitteln zwar keinen Schinken auftreiben können, aber geröstetes Algenbrot würde schon zu dieser Delikatesse passen.
Seitdem sie vor drei Tagen von Lod abgelegt hatten, freute er sich auf diesen Moment. Und nun, in seiner kurzen Ruhepause vor der Hektik der nächsten Essensvorbereitung für die Mannschaft, konnte er endlich herausfinden, wie gebratene Eier schmeckten. Vorsichtig klopfte er es, wie er in dem Buch gelesen hatte, auf den Rand seiner einzigen Pfanne, um leichter an das leckere Innere zu kommen. Auf einmal gab der Boden unter seinen Füßen nach und er kippte leicht nach vorne, wobei er das Ei stark auf den Stahlrand stieß. Der Dotter des kostbarten Guts ergoss sich auf die Induktionsherdplatte. Geschockt starrte Lukas auf die Überreste seine Leckerei, als die Lampe vor ihm erlosch und sich kurz darauf die rote Gefechtsbeleuchtung einschaltete.
„Gefechtsalarm. Ein nichtidentifiziertes Schiff auf 0-3-9. Entfernung 22 Kilometer. Minus 120. Richtung 0-3-5. Alle Mannschaften auf ihre Positionen“, hallte es aus dem Lautsprecher über Lukas, während ihm ein schwach säuerlicher Geruch in die Nase stieg, der von dem ausgelaufenen Eidotter her stammen musste.
Wegen eines möglichen Piratenschiffes war er seines Genusses beraubt worden! Wut und Enttäuschung stiegen in ihm hoch, während er versuchte ein wenig von dem flüssigen Luxus mit einem Löffel aufzusammeln. In dem roten Schein sah der Dotter wenig appetitlich aus, aber das Hauptproblem war, dass er während eines Gefechtsalarms den Herd nicht anschalten konnte. Sicherheit geht vor Magenknurren, hatte ihm mal der alte Sanders gesagt. Der frühere Kapitän der „LZS Einigkeit“, die jetzt diesen Marineverband des URT zur Piratenjagd anführte, hatte immer solche Sprüche parat und meistens zeigte er dabei sein für ihn typisches humorloses Haifischgrinsen.
„Warum kümmern sich eigentlich nicht die Begleitschiffe um das Schiff?“, fragte er das vor ihm hängende Kochgeschirr. Es war wie es die Vorschrift verlangte in dicke Kunststoffhüllen verpackt, damit es im Gefecht dem gegnerischen Sonar nicht durch lautes Klappern Anhaltspunkte über den Aufenthalt der Orca-Klasse geben konnte.
Wahrscheinlich weil der neue Kapitän erfolgsgeil ist, beantwortete sich Lukas die Frage in Gedanken selbst und musste dabei grinsen.
Aus einem Impuls heraus entschloss er sich, die Reste seines halben Monatssolds in dem kleinen Kühlschrank unterzubringen und die kleine Flasche mit dem Uppländer Algenschnaps aus seinem Versteck hinter den Fischkonserven zu holen. Auf den Verlust habe ich mir einen Schluck verdient, dachte er und dabei fiel ihm ein Satz aus dem alten Roman ein, den er am Anfang nicht ganz verstanden hatte, aber der jetzt gut passte: „Nicht lange schnacken, Kopf in Nacken“. Grinsend hob er die Flasche an die Lippen und nahm drei kleine Schlucke, bevor er sie absetzte und wieder verschließen wollte. Gerade in diesem Moment erbebte das Schiff und das dumpfe Dröhnen einer Unterwasserexplosion ließ ihn zusammenzucken. Die Flasche entglitt seinen Händen und zerbrach auf dem Stahlboden. Lukas kam sich langsam so vor, als sei er in einer dieser billigen stawischen Komödien gefangen, in denen der Held am laufenden Band die albernsten Katastrophen erlebte. Kurzzeitig meinte er sogar, das künstlich klingende Lachen und Prusten eines imaginären Publikums zu hören, aber das war nur das Klingeln in seinen Ohren. Er hatte allerdings keine Zeit den Verlust seines durchaus guten Tropfens zu betrauern, denn schon folgte eine weitere Explosion und das Schiff legte sich schnell auf die linke Seite. Hastig griff Lukas nach einem Halt, verlor das Gleichgewicht und knallte auf seinen Hosenboden als wieder die Stimme des ersten Offiziers aus dem Lautsprecher zu hören war.
„Minen voraus! Festhalten und auf Wassereinbrüche achten.“
Wo kommen die denn her, fragte sich Lukas verdutzt, während er merkte, wie der Schnaps seine Uniformhose durchnässte. Und warum haben die Penner am Sonar diese Gefahr nicht vorher entdeckt? Hätte auch nicht gedacht, dass in der Flasche noch so viel drin war, schob sich ein weitererer Gedanke in den Vordergrund, denn eine große Pfütze breitete sich unter ihm aus. Da fiel Lukas auf, dass ein lautes Zischen und Sprudeln zu hören war. Wassereinbruch. Dieses Wort fuhr wie ein Eishauch durch sein Denken und wie eine Majonette, die an ihren Fäden ruckartig in die Höhe gezogen wurde, sprang Lukas auf und rannte in Richtung des Schotts, das aus der Kombüse in den Hauptkorridor dieses Decks führte.
„Wassereinbruch Steuerbord in Deck 2, Sektion C“, schallte es wie zur höhnischen Bestätigung aus dem Lautsprecher im Korridor als er gerade das Schott geöffnet und damit einen Wasserschwall in die Kombüse gelassen hatte. Nach einem kurzen hysterischen Lacher hastete Lukas den Korridor entlang, zum nächsten Sektionsschott, das in Richtung der Brücke lag. Der leichte faulige Geruch von Meerwasser stieg ihm in die Nase und die Kälte kroch durch seine Beine, als er durch das kniehohe Wasser stolpernd das Schott erreichte. Schnell betätigte er den Öffnungsmechanismus, aber nichts tat sich. Die Kontrolllampen zeigten an, dass die Tür nicht verriegelt sei. Nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen an dem Öffner aktivierte Lukas die Kommunikationseinheit am Schottrand.
„Äh, hier Gefreiter Wackner. Schott 8 lässt sich nicht öffnen und die Sektion C läuft voll“, sagte er mit krächzender Stimme in das Mikro. Dann wartete er, aber nichts tat sich, außer das seine Füße langsam taub wurden und das Wasser bedrohlich schnell stieg. Schon reichte ihm das eiskalte Nass bis an die Hüfte und er spürte, wie seine Hoden zu winzig kleinen Kügelchen schrumpften.
„Hilfe! Ich bin hier in Sektion C eingeschlossen. Das Schott 8 öffnet sich nicht“, versuchte er es erneut an der Sprechanlage und als er selbst die Panik in seinen Worten hörte, machte ihn dies noch ängstlicher.
„Scheiße, macht auf, bevor ich hier ersaufe!“, schrie er einige Sekunden später, als sich immer noch nichts rührte.
Dann hörte er, wie jemand sich an der anderen Seite der Tür zu schaffen machte. Die Tür öffnete sich und er taumelte vorwärts getrieben von dem Schwall eisigen Meerwassers durch die Öffnung. Genau in dem Moment als er gerade von hilfsbereiten Armen aufgefangen wurde, ertönte wieder eine laute Explosion und durch das anschließende Beben des Schiffes wurden er und sein Helfer umgeworfen. Kurz sah Lukas noch aus den Augenwinkeln, wie er auf den Stahlrand der Schottöffnung zufiel, als auch schon der Schmerz des Aufpralls ihn durchzuckte. Sein Kopf schien zu zerbersten und ein ¬Zitat aus dem ARTefakt schoss ihm durchs Bewusstsein:
„Den ham wir wie ein Ei in die Pfanne gehaun.“
Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

Zwei Tage später saß ein übel gelaunter Masterson, der den Rang des ersten Offiziers auf der Einigkeit inne hatte, Lukas an einem Tisch in der inzwischen aufgeräumten Kombüse gegenüber und schlurfte einen Algenkaffee. Ein großer Verband verunzierte den Kopf des Kochs und obwohl er Schmerzen hatte, löcherte er seinen langjährigen Kameraden mit Fragen zu dem Hinterhalt, in den der ganze Marineverband geraten war.
„Die waren anscheinend aus nichtmagnetischem Stahl, wie die neuen Modelle mit denen die Beschützerklassen im BFS gerade ausgestattet werden“, erklärte Masterson seinem Kameraden die Beschaffenheit der Minen.
„Wie kommen Piraten zu solchen Waffen neuster Bauart?“, fragte Lukas und kratzte sich gedankenverloren an seinem Verband.
„Das ist genauso mysteriös wie die Tatsache, dass sie einen Marineverband dieser Stärke angreifen“, erwiderte der erste Offizier und hielt Lukas die inzwischen leere Tasse zum Nachfüllen hin.
„Auch die offensichtliche Verwendung von militärischer Sonarausrüstung und die bestens ausgestatteten Vakten und Requins geben einem Rätsel auf“, ergänzte der Leutnant, während der Koch ihm die Tasse auffüllte und der Duft von frischem Algenkaffee sich erneut in der Kombüse verbreitete.
„Wir hatten unverschämtes Glück, dass wir diesen Hinterhalt überlebt haben und die Piraten in die Flucht schlagen konnten. Trotzdem möchte der Kapitän, dass wir jetzt die Gegend durchkämmen und die von ihm vermutete Basis aufspüren“, verriet Masterson mit leiser Stimme und Lukas, der sich schon Hoffnung auf eine baldige Rückkehr des angeschlagenen Verbandes nach Lod gemacht hatte, sah die Möglichkeit das Lieblingsgericht seines Helden aus dem alten Roman zu probieren, in weite Ferne rücken.

Ein neuer Morgen bricht an

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Jan-Tobias Kitzel
Mit einer Illustration von Patrick Reinemann

Sie schaute an sich herunter. Durchsichtiges Netz-Top. String-Tanga. Alles, was ihre Vorzüge betonte und der Geldbeutel hergab. Warme, salzige Tränen liefen ihre Wangen hinunter und tropften auf das Oberteil, durchnässten das Nichts an Stoff. Was war schief gelaufen? Sarah zog die Beine an sich, umschlang sie mit ihren Armen und presste sich an die Wand. Das Bett des LodWaters-Reiseschiffes war herrlich weich, aber in diesem Moment, den vorher so sorgfältig durchgeplanten, interessierte sie all dies nicht. Sie hatte ihn überraschen wollen, wenn er gleich von seinem Schiffsrundgang zurück kam. Stattdessen war sie nun die Überraschte. Er hatte sie betrogen. Mühsam entkrampfte sie ihre Hand und ließ das ausgedruckte Foto herausfallen, zerknüllt landete es auf der edlen Satin-Bettwäsche der Erste-Klasse-Kabine. Julia aus der Personalabteilung, auf dem Foto in eindeutiger Pose, hatte ihn also regelmäßig zum Strahlen gebracht. Jedesmal, wenn er sein Portmonee geöffnet und das Foto herausgenommen hatte. Er hatte vier Jahre der Ehe also einfach so weggeworfen, sie konnte es nicht glauben. Aber die Puzzleteile ergaben ein Bild. Die Überstunden. Der Arbeitsurlaub in Arbiträa. Das Geld, das gefehlt hatte, komischerweise kurz vor Julias Geburtstag. Julia, die sie so oft gesehen hatte bei den gemeinsamen Unternehmungen in ihrer Clique. Sarah fühlte sich einfach nur elend. Ihr Schluchzen brach sich an den Wänden der luxuriösen und dennoch engen Kabine.

Beschwingt pfiff Daniel vor sich hin. Endlich mal raus aus der Enge ihrer Wohnung und der ewig gleichen Arbeiten als Angestellter einer Versicherung. Der hellgrüne, weiche Teppich umschmeichelte seine Füße, als er nur mit einem Bademantel bekleidet auf dem Weg zu seiner Kabine war. Hier, im vorderen Teil des LodWaters-Orcas „LZS Neuer Morgen“ war die Erste Klasse angesiedelt. Hier konnte man in Ruhe einen Gang hinunter laufen, ohne ständig irgendjemandem ausweichen zu müssen. Hier hatte man das Geld, auch im Bademantel exzentrisch durch die Gegend zu schreiten. Oder tat wenigstens sehr glaubhaft so. Daniel kicherte. Die Idee seiner Frau, vom unverhofften Bonus seines Arbeitgebers einen Luxusreisetrip zu unternehmen, war toll. Die kleine Einkaufstasche an der Hand zeugte von seinem Abstecher in den Shop der ersten Klasse, ein edles Parfüm für seine Frau. Er wollte sie überraschen. Nummer 103. Da vorne war schon seine … ihre Kabine. Das edle Interieur des Schiffes hatte ihn vollends in Besitz genommen, noch nie war er so schön gereist, er hatte gar nicht gemerkt, wie schnell er voran gekommen war. Kunstwerke an den Wänden, ein weicherer Teppich als Ittendock persönlich, gedämpfte Beleuchtung und klassische Musik aus dezent verborgenen Lautsprechern. Glück, was wollte man mehr. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht schwenkte er sein ID-Armband am Wandsensor neben der Tür und mit einem leisen Zischen glitt diese in die Wand hinein. Und er hörte seine Frau schluchzen.

„Wie konntest du nur? Ich hab alles für uns aufgegeben! Meinen Beruf, meine Hobbys. Alles, damit du deine Karriere machen konntest und wir die Bilderbuchfamilie mit treuer Frau, einem Kind und immer schöner Wohnung sein konnten, die du dir immer gewünscht hast.“ Sie war zur Hochform aufgelaufen. Hatte all die Trauer, die ihre Kehle zugeschnürt hatte, zu einem Speer der Wut geformt und stach damit auf ihren Mann ein. Daniel saß wie ein Häufchen Elend auf dem Boden, den Rücken an den Kleiderschrank der Kabine gelehnt. Er sah klein und verloren aus. Am liebsten hätte sie ihn in den Arm genommen. Und ihm dann das Genick gebrochen.
Er hatte noch nicht einmal versucht, sich herauszureden. Als sie ihm das Bild entgegengeworfen hatte, hatte sein Blick bereits Bände gesprochen. Schuldbewusst. Leider auch irgendwie eine Spur erleichtert. Seine Einkaufstüte war zu Boden gefallen und ein süßlicher Geruch nach Parfüm hatte sich daraufhin in der Kabine ausgebreitet. Seitdem schrie sie ihn an, unterbrochen nur von Heulattacken, während derer er sich noch nicht einmal aufraffen konnte, ihr ein Taschentuch zu reichen. Daniel saß nur da. In sich versunken. Und ließ die Welt über sich ergehen. Wie immer, wenn er etwas nicht ändern konnte. Es machte Sarah rasend. Neue Wut kochte in ihr hoch. Sie warf sich einen Bademantel über und rannte aus der Kabine. Rannte immer weiter. Gang an Gang flog förmlich an ihr vorbei. Verdutzte Gestalten wichen ihr aus. Die leise Klassikmusik machte sie immer noch wütender, sie passte so gar nicht zu ihrer Stimmung. Sie lief, bis sie nicht mehr konnte. Und brach an einer Sitzgruppe zusammen, die in einer Einbuchtung auf dem Gang stand. Eine Erfrischungslounge mit Panoramafenster ins Meer hinaus, kostenlose Getränke standen bereit, ebenso wie ein ebenso freier Snackautomat. Frei. Kostenlos. War ja auch nur alles in den horrenden Preisen inklusive, die sie bezahlte hatten. Von den banalen Gedanken wieder ins Hier und Jetzt geholt, wurde sie sich gewahr, was sie anhatte. Reizunterwäsche und einen Bademantel. Verschämt versuchte sie sich so gut damit zu bedecken wie es ging, zog die Beine an und traute sich nicht mehr aus dem tiefen Sessel hinaus. Wie gut, dass sie in der Sitzgruppe allein war. Sie versuchte sich zu beruhigen, atmete nach dem Dauerlauf schnaufend durch und verbannte alle schlimmen Gedanken aus ihrem Hirn. Versuchte es wenigstens und schaute stattdessen in das tiefschwarze Meer hinaus. Das kuppelförmige Fenster lief nach Backbord hinaus, das Meer zog seitlich an ihr vorbei. Es zeigte den Ausschnitt einer Wirklichkeit, die ihr im Moment fern wie Kobe-Uppland vor kam. Die starken Scheinwerfer der Orca-Klasse fraßen sich geradezu in das Dunkel des Meeres, kamen aufgrund der Dunkelheit dieser Meerestiefe aber auch nur ein paar Meter weit. Algen trieben vorbei, Fische, Luftblasen.
Plötzlich schaltete die Beleuchtung von angenehm gedämpft auf ein irrtierendes Rot um, das harte Kontraste förderte und sich schwer über die Szenerie legte.
„Alle Passagiere begeben sich auf der Stelle in ihre Kabinen. Dies ist keine Übung!“ Dann schoss auf einmal ein Jägerschiff am Fenster vorbei und Alarmsirenen gellten durch die luxuriösen Gänge der ersten Klasse.

Die Piraten waren aus einer Thermokline aufgetaucht. Der Temperaturunterschied der Wasserschichten hatte das Sonar behindert. Dann ein schneller Ping auf dem Sonar, wie ein Strich waren die Gegner auf sie zugeschossen. Wie ein Hai auf einen verwundeten Wal. Kapitänin Saunders schüttelte den Kopf und gab eilig, aber ohne hektisch zu werden Befehle an ihre Brückencrew. Überstürztes Handeln brachte nichts. Auf einer Haupthandelsroute überfallen zu werden … selten, wenn auch leider nicht so sehr, wie manche sich das wünschten.
„Konnte die fünf Deltas identifizieren, Madam. Es sind Vakten-Klassen“, kam es von der Ortung. Die Nervosität in Johanns Stimme war deutlich zu hören. Kein Wunder mit Mitte Zwanzig.
Vakten. Immerhin etwas.
„Sinken auf 750. Max Geschwindigkeit!“
Die Orca-Klasse von LodWaters legte sich deutlich nach vorne und der Tiefenanzeiger auf dem Hauptschirm zählte herunter. 350. 400. 450. Das Grün der Farben auf der 3D-Anzeige überstrahlte das Rot der Notbeleuchtung. Eine Vakten schoss direkt neben dem Hauptbrückenfenster vorbei. Hai und Wal spielen. Gut, konnten sie haben. Saunders krampfte ihre Hände um die Armlehne ihres Sessels. Des Kapitänssessels. So leicht würde sie ihn nicht hergeben. Die flachen Vakten waren oft altersschwach, gerade in Händen von Piraten, die von Wartung soviel verstanden wie sie vom Kochen. Und da ihr Orca tiefer tauchen konnte als das Enterschiff aus UNL-Produktion würde sie dem Pack jetzt mal eine Lektion erteilen.
„Sie rufen uns über Sonarträger. Wir sollen sofort anhalten, oder sie würden das Feuer auf uns eröffnen. Die werden uns töten!“
„Reißen Sie sich zusammen, Kom. Mann, Beherrschung! Wir haben Verantwortung für die Passagiere. Oder wollen Sie sich einfach so entern lassen? Ich nicht! Wir bleiben auf Kurs.“
600. 650.
„Die Warnung wird wiederholt!“
„Kurs halten!“
700. Die Außenhaut stöhnte und ächzte. Sie hatten noch gut 140 Meter bis zur maximalen Tauchtiefe. Ab Werk. Nicht nach fünfzehn Jahren Dauereinsatz im Linienverkehr, stets auf Reisetiefe, also zwischen 250 und 300 Meter. Komm Baby, lass mich jetzt nicht hängen!
Plötzlich erzitterte das Schiff und Saunders wurde in ihren Gurt geworfen. Flüche ertönten auf der engen Brücke. 10 Mann in einem Raum groß wie eine Konservendose.
„Wir wurden getroffen!“
„Ruhig, Charly, das war nur ein Warnschuss. Übrigens, Ortung, nächstes Mal hätte ich gerne eine Vorwarnung!“
„Es kam so plötzlich, Madam“, verteidigte sich Johann. Errötete er? Oder war es die Notbeleuchtung?
750. Das Schiff legte sich wieder in Normallage.
„Wo sind die Vakten?“
„In 0-4-5 bis 0-9-0-. Plus 150.“
Fächerformation. Über ihnen.
„Incoming! Fünf Typ-I-Torpedos!“
Typ-I? Wen wollten die denn damit erschrecken? Kratzer in der Panzerung waren nur teuer, mehr nicht. Trotzdem.
„Ausweichmanöver. Tiefe halten. Countermeasures abwerfen.“ Kurz, knackig, präzise, Kampfsituation.
Ivan an der Steuerung legte sich ins Zeug, fuhr einen Zickzack, aber die Ortung meldete verfolgende Torpedos. Drahtlenkung. Keine Chance zu entkommen. Gut, dann halt Kratzer im Lack.
Saunders hieb auf die Konsole an ihrem Kapitänssessel.
„Alle Passagiere herhören. Einschlag“, sie schaute auf die Anzeige, „von kleineren Torpedos in 10, 9, 8. Festhalten!“
Die Sekunden verrannen.
„Andere zivile oder freundliche Schiffe in Reichweite, Ortung?“
Das „Nein“ kam zeitgleich mit der „Null“ auf der Trefferanzeige. Aber keine Explosion. Dafür gingen die Lichter aus. Saunders fluchte, verdutzte Rufe hallten über die Brücke. Die Kapitänin schüttelte den Kopf. Zitteraale. Woher bei allen Strudeln hatten Piraten Zitteraale?
„Ruhig bleiben“, bellte sie über die Brücke. „Schadensmeldungen!“
Sekunden der Stille. Dann ertönte die knarzige Stimme von Mike, dem Chefingenieur. Der Seele des Schiffs. Die grad unglaublich sauer klang.
„Ausfall des Computerkerns. Mehrere Zitteraale mitten auf die Hauptleitung. Ortung aus, ebenso Waffen und CMs. Lebenserhaltung läuft auf eigener Notstromversorgung.“
„Reparatur?“
Mike schnaufte belustigt. „10 Stunden. Minimum!“
Woher kannten die Piraten diesen Schwachpunkt der alten Orca-Klasse? Saunders schüttelte den Kopf. Eine zentrale Hauptstromleitung dicht unter der obersten Hülle. Toll gemacht, Designer, wirklich toll.
Ivan meldete sich gewohnt schüchtern zu Wort: „Madam, wir gleiten ab. Minusströmung. 710, fallend.“ Das Schiff knarzte zustimmend. Sie hatten Verantwortung. Für das Schiff, aber zuallererst für die Passagiere. Lieber ausgeraubt als tot.
„Tanks manuell anblasen lassen auf Standardreisetiefe.“
„Madam, dann sind wir…!“
Saunders fuhr Ivan ins Wort: „Ja, dann sind wir auf dem Präsentierteller. Wollen sie lieber absaufen?“
Ivan schwieg und stand dann eilig auf, um sich zu den manuellen Kontrollen im Unterdeck aufzumachen. Das per Hand eingeleitete Anblasen an den Ballasttanks konnte bei dieser alten Schiffsklasse ohne Computerkontrolle nicht wieder umgekehrt werden, Abtauchen und Entkommen unmöglich. Saunders konnte die Passagiere fast hören, wie sie sich wimmernd aneinander klammerten. Lieber arm als tot.
Minuten später stiegen sie langsam auf. Kein weiterer Torpedo durchschnitt das Meer. Dann dockten die Piraten an.
Kurz, knackig, Kapitulation.

Einige Tage später.
Ivan hetzte durch das Schiff. Seine kurzen Beine schlugen immer schneller aus. Das Knarzen der Außenhülle verstärkte sich. Halt durch, Baby! Der Werkzeuggürtel schlug schmerzhaft gegen seine Hüfte, der Schweiß brannte in den Augen. Menschen schrien in ihren Kabinen, Bilder fielen von den Wänden, als das Schiff trudelnd immer tiefer sank.
Ein plötzlicher Schlag, der ihm die Füße wegriss. Ein harter Aufschlag, trotz des Teppichs hier in der zweiten Klasse der „LZS Neuer Morgen“. Erst ein Piratenüberfall, dann nach Wiederankunft in Lod eine schnelle Reparatur und dann waren sie schon wieder rausgejagt worden in den Liniendienst.
„Nehmen Sie es locker, Herr Deborski. Überfälle kommen vor, das wissen Sie doch. Sprechen Sie mit unserem kostenlosen LodWaters-Psychologen für Angestellte, wir laden das Programm gern auf ihren PDA. Aber jetzt sehen Sie zu, dass Sie wieder zurück zum Schiff kommen, die Reparaturen durchführen, den Überfall vergessen und das alte Mädchen wieder in den Liniendienst bekommen!“ Er hätte gelacht, wenn es nicht so traurig gewesen wäre.
Ivan schüttelte den Kopf, versuchte ihn frei zu kriegen. Keine Zeit für Träumereien! Zügig stieß er sich vom Boden ab und rannte weiter. Seine Lungen pumpten. Etwas aus der Form! Verdammt!
Da! Die Tür zur Ballasttankkontrolle kam in Sicht. Grob stieß er ein aneinandergeklammertes Pärchen zur Seite, das mitten im Gang beschlossen hatte, hier dem Unglück beizuwohnen. Stahl schrie laut auf, das Schiff trudelte immer schneller. Sie mussten schon über 700 tief sein. Verdammt, bald war es aus!
Die Tür öffnete sich, der kleine Raum mit den Ballastpumpen lag vor ihm. Die Konsole für die manuellen Kontrollen sah im rötlichen Licht der Notbeleuchtung wie ein roter Eisblock aus. Er stürzte darauf zu, aktivierte sie mit einem schnellen Hieb auf den Schalter. „Passworteingabe“. Ein blinkender Cursor. Was zum…? Hier gab es keine Passwortabfrage! Er war Ivan, der Chefingenieur. Er hatte mehr als zehn Jahre auf diesem Schiff verbracht. Hier gab es keine Passwortabfrage!
Mit einem Fluch griff er in den Werkzeuggürtel, nahm den Schraubenzieher heraus und löste das Eingabefeld ab. Alle Kabel sahen bei diesem beschissenen Licht natürlich rot aus. Konzentrier dich, alter Mann. Du kennst die Systeme! Mit schnellen Handgriffen schloss er den Wartungs-PDA an die Kabel an und ging in den Wartungsmodus. Irgendjemand hatte an den Kontrollen herumgefummelt! Ein Piepsen aus der Kontrollkonsole.

Saunders schrie auf und fiel aus dem Kapitänssessel, als sich das Schiff abrupt auf die Seite legte.
„Was war das?“, bellte sie über die Brücke, wo alle Mann damit beschäftigt waren, sich irgendwo festzuhalten.
„Der Computer meldet eine Explosion in der zweiten Klasse. Deck 3, Abschnitt C.“
Der Pumpenraum. Ivan.
Das Schiff ging wieder in die Waagerechte. Ein Hieb auf die KOM-Konsole. „Ivan, melden Sie sich.“ Rauschen. „Ivan!“ Nichts.
„Meldung vom Schadenskontrollteam. Eine Explosion hat den Kontrollraum der Ballasttanks mitsamt Pumpen zerstört. Feuer ist nicht unter Kontrolle zu bringen.“
Die „LZS Neuer Morgen“ bäumte sich erneut auf.
„Wassereinbruch achtern, Deck 1, Sektion A.“
Die Lichter gingen aus, auch die visuelle Ortung gab ihren Geist auf. Es wurde stockduster, kein Meter war voraus zu sehen, die absolute Schwärze des Meeres lag vor ihrer Frontscheibe.
Eine Taschenlampe leuchtete auf. Johanns Gesicht in der Dunkelheit, erhellt vom Widerschein, die das Licht der Lampe auf der Kontrollkonsole erzeugte.
„Wir sind schon bei 850, Käpt’n!“
Ohne Ballasttankkontrolle über der maximalen Tauchtiefe. Saunders setzte sich wieder in ihren Sessel.
„Weitere Wassereinbrüche werden gemeldet. Überall!“ Charlys Stimme überschlug sich. Irgendjemand weinte in der Dunkelheit. Nicht mehr lange.
Saunders legte fast liebevoll ihren Finger auf den Knopf an ihrer Kapitänskonsole.
„Hier spricht Kapitän Saunders. Wir sinken. Erst Ausfall der Ballasttankkontrolle, dann Explosion im Pumpenraum. Wassereinbrüche auf allen Decks. Ausfall von Ortung und Hauptenergie.“ Sie stockte. „Ich möchte festhalten, dass diese Crew erstklassige Arbeit geleistet hat. Es war kein menschliches Versagen meiner Mannschaft, das zu dem hier geführt hat. Es war eine Ehre, die Neuer Morgen so lange fahren zu dürfen. Grüßt unsere Familien, sagt ihnen, wir wären dort gestorben, wo wir gelebt haben. Im Meer. So werden wir für immer bei euch sein.“
Schluchzen auf der Brücke, von irgendwoher kam ein leises „Danke“. Dann tauchten die erwarteten Risse auf der Frontscheibe auf, pflanzten sich mit atemberaubender Geschwindigkeit fort. Saunders strich noch einmal liebevoll über das abgewetzte Polster des Kapitänssessels. Ihres Sessels. Dann drückte sie auf den Knopf für das Abstoßen der Notfallboje, das ihre Position und das Logbuch für die Nachwelt retten sollte. Ein Knacken in der Scheibe. Dann kam das Wasser.

Ankunft. Ende. Anfang.

Eine Kurzgeschichte von Jan-Tobias Kitzel

Sandra räkelte sich auf dem luxuriösen Kabinenbett. Die Müdigkeit lag angenehm warm in ihren Gliedern und sie genoss es, sich noch einmal umzudrehen, ein paar Minuten noch dem leisen Brummen des Antriebs zu lauschen, das sie mit absoluter Gewissheit einschlafen lassen würde. Wenn sie es wollte. Nach einer zeitlosen Spanne des Dösens meldete sich ihr Körper allerdings mit derartiger Penetranz, dass sie den Toilettengang nicht weiter aufschieben konnte. Vorsichtig glitt sie aus dem Bett. Ohh, war das schön. Das Gefühl dieses weichfloorigen Teppichs an den nackten Füßen. Mit einer Traveller-Klasse zu reisen, war wirklich ein Stück gelebte Dekadenz. "Aber eines, dass ich mir verdient habe", sagte sie zu sich selbst und ging zum kleinen Bad ihrer Kabine. Ein eigenes Bad in der Kabine! Wie okto war das denn?! Bei ihrer letzten Reise zu Mann und Kind hatte es nur zur dritten Klasse in einem LodWaters-Reiseorca gereicht. Plastikklasse. Automatenfraß und Waschräume für dutzende Personen gleichzeitig. Widerlich.

Ein paar letzte Handgriffe an ihrer Frisur, dann war Sandra zufrieden. Selbst für eine Mittdreißigerin fand sie sich attraktiv. Was hatte ihr die Dreißig doch Angst gemacht. Vielleicht machte Geld wirklich sexy? Seit dem Lottogewinn von Peter war alles anders geworden. Er hatte ihr ein Ticket für diese Traveller-Überfahrt geschickt, sie hatte endlich ihren schlecht bezahlten Job in Lod aufgeben können. Endlich konnten sie wieder eine Familie sein. Sie schluckte den Kloß im Hals schnell herunter. "Du siehst sie doch bald wieder", schalt sie sich. Genervt von sich selbst und ihrer Rührseligkeit strich sie ihr schnörkelloses Freizeitkleid glatt und trat auf den Gang. Die Zeiten, in denen sie Peter und die kleine Jessica nur alle drei Monate zu sehen bekam - für mehr Überfahrten von Lod nach Logika reichte das Geld nicht - waren vorbei. Allein der Gedanke daran, die Kleine hochzuheben, an sich zu drücken, sie zu riechen und zu fühlen, machte sie glücklich. Und traurig, dass sie noch nicht da waren.

Es war ordentlich Betrieb im Speisesaal der LZS Seehecht. Sie musste schmunzeln. Die Kapitänin hatte wirklich Sinn für Humor, eine Traveller-Klasse ausgerechnet wie die berühmteste Lod-Schiffsklasse zu nennen. Aber schließlich war sie ja auch eine Frau in einer Männerdomäne.
Vorsichtig stellte sie ihr Tablett auf den Tisch und setzte sich auf die Bank. Einige andere Gäste nickten ihr zu. Sie kannte zwar keinen, aber hier waren alle sehr höflich, schließlich reiste Abschaum selten mit einer Traveller-Klasse. Genüßlich schob sie sich einen Löffel mit Süßvla in den Mund. Eine Sünde, schon zum Frühstück, aber zur Feier des Tages...
Plötzlich ersetzte rote Notbeleuchtung das vorher orange-warme Flair des Speisesaals.
"Auf Gefechtsstation! Auf Gefechtsstation! Alle Passagiere sofort in ihre Kabinen! Dies ist keine Übung!", schallte eine emotionslose Computerstimme durch das Schiff. Die Gäste schauten sich ungläubig an. Keiner rührte sich. Abrupt legte sich das Schiff in eine Linkskurve, Tabletts rutschten auf den Tischen umher, ein Zierbambus fiel krachend um und der Blumentopf zersplitterte. Schwarze Erde ergoß sich auf den Boden. Auf welche Details man achtete, wenn man Angst hatte...

Sandra rannte. Sie achtete nicht auf die Kunstwerke an den Wänden, nicht auf die Weichheit des beigen Bodens. Sie rannte um ihr Leben. Überall Geschrei, hektische Befehle schnarrten aus den Lautsprechern. Kaum hatte sie die Tür ihrer Kabine erreicht, verriegelte sie diese hinter sich. Setzte sich zitternd vor das Bett, zog die Knie an sich und umschlang sie mit ihren Armen. Eine Explosion warf das Schiff hin und her, sie konnte sich gerade noch so halten.
"Enterschleusen docken an B3 und C2 an. Mannschaft sofort dort hin!" Die Stimme der Kapitänin, die die Passagiere gestern noch mit einem Bambusschnaps willkommen geheißen hatte, klang verzerrt. Aber die Angst war trotzdem zu hören. Sandra weinte. Das Bild! Schwankend stand sie auf, machte einen Schritt nach vorne und konnte gerade noch verhindern, dass der kleine Bilderrahmen vom Schreibtisch fiel. Peter strahlte in die Kamera, Jessica auf seinen Schultern grinste, als ob sie gerade den besten aller Witze erzählt bekommen hatte. Das Schiff sackte ab, Sandra fiel hin, rollte durch die Kabine, stieß sich den Kopf. Schwärze wallte heran.

Dunkelheit. Kein Brummen des Antriebs, kein Lüftchen aus der Luftumwälzung. Sie lag auf dem Boden der Kabine eines toten Schiffes. Langsam kam sie hoch, tastete sich umher, kam bis zur Tür. Die sich nicht öffnete. Sollte sie dagegen schlagen, auf sich aufmerksam machen? Oder waren die Angreifer bereits an Bord und es wäre das Beste, einfach hier zu bleiben? Sie zitterte am ganzen Leib, ging auf und ab, drückte den Bilderrahmen so fest an ihre Brust, dass es schmerzte. Die Luft war stickig. Wie lange war sie ohnmächtig gewesen? Plötzlich erglomm die rote Notbeleuchtung wieder. Fast überdeckt von kräftigem Rauschen kam es aus den Lautsprechern: "Passagiere, bitte bewahren sie Ruhe. Wir konnten den Angriff nicht abwehren, die Piraten kommen in diesem Moment wohl an Bord. Verhalten Sie sich ruhig, händigen sie alle Wertgegenstände ohne Zögern aus. Wir alle werden das hier überleben, wenn wir Ruhe bewahren!"
Wertgegenstände? Sie hatte nichts! Panisch dachte Sandra nach. Nein, sie hatte wirklich nichts dabei, nur eine Handvoll LEX, kaum genug für einen Kaffee am Automaten. Sie war doch erst auf dem Weg zum Reichtum, den ihre Familie so plötzlich erfahren hatte.
Dann hörte sie ein leises Zischen. "Endlich, die Luftumwälzung geht wieder", murmelte sie beruhigend. Aber dann kamen die Schreie aus dem Flur. Dutzende Fäuste schlugen gegen Wände, Menschen schrieen in Todesangst auf. Dann begann es auch bei ihr. Der Brustkorb brannte, flüssiges Feuer flutete ihre Adern, alles verkrampfte sich. Sandra fiel zu Boden, schüttelte sich in Muskelzuckungen, die Schmerzen waren unerträglich. Sie schnappte nach Luft, aber sie bekam keine. Sie hyperventilierte, aber kein Sauerstoff wollte durch ihre Lungen in den Körper. Ein Knack. Schmerzen. Splitter eines Bilderrahmens, die durch das Kleid ins Fleisch schnitten.

Männer in Kampfanzügen betraten durch angedockte Enterschiffe die LZS Seehecht. Gingen achtlos über die Leichen hinweg, die in den Gängen lagen. Der Kampf hatte begonnen und bald würden die Menschen des RDL wissen, dass sie nicht mehr sicher waren. Nirgendwo.
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