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Uurla und die Rübe

Eine Kurzgeschichte aus dem Uppland von David Grade.

Uurla und die Rübe

"Großmutter hat mit Kaarn gestritten", sagte Uurla und linste aus ihrem Versteck hinter einem Haufen Bambusblätter hervor zu dem Wasserkopf herüber, der in einem breiten Stuhl neben dem Kammereingang saß. Die dünnen Haarfäden auf seinem Kopf bewegten sich im Luftzug und Zuckerrübenbrei lief aus seinem grinsendem Maul. Luec, Uurlas jüngerer Bruder, grunzte vor Abscheu.
"Hörst du mir zu?" Uurla stieß ihren Bruder an. Den Unterricht bei Priester Corvus schwänzten sie heute. "Sie haben gestritten, Großmutter hat gesagt, sie hätten ihn direkt nach der Geburt wegmachen sollen."
Wasserkopf drehte den Kopf und starrte zu ihnen herüber, immer noch grinsend, und jetzt hob er die teigige Hand, in der er die Zuckerrübe hielt und winkte ihnen zu.
Diesmal versetzte Uurla ihrem Bruder einen Kopfstüber. "Du Fischkopf, er hat dich gesehen."
Jetzt stand Wasserkopf auf und wankte auf seinen viel zu kurzen Beinen zu dem Haufen Bambusblätter hinüber. "Da, da", rief er und streckte Luec und Uurla die angebissene Zuckerrübe entgegen.
"Verschwinde, du Ekel." Uurla warf eine Handvoll Erde nach Wasserkopf, ihr Bruder tat es ihr nach. Einer der Würfe traf Wasserkopf mitten ins Gesicht und brachte ihn zu Boden, wo er losheulte wie eine Rauchsirene. Uurla warf noch etwas mehr Erde.
"Was bei allen Kobul ist in euch gefahren?"
Erschreckt wirbelten Luec und Uurla herum - hinter ihnen stand Kaarn, ihr Onkel und Anführer der Bambusbauern.
"Er, er wollte uns angreifen und hat uns angespuckt, dieses Monstrum. Luec, er wollte sich Luec schnappen." Uurla schob ihren Bruder vor.
"Mach das Fass zu, Uurla", sagte Kaarn. "Luec, was ist den passiert?"
"Er wollte Uurla die Rübe geben und dann hat sie geworfen und ich habe auch geworfen", erwiderte der Kleine. Inzwischen hatte sich Wasserkopf aufgerichtet und klammerte sich nun an Kaarn. Die Rübe lag im Dreck.
"So war das. Machst du das immer, wenn dir etwas angeboten wird?" Kaarn packte Uurla an der Schulter und schüttelte sie. "Dummes Kind, lass meinen Sohn in Ruhe, ein für allemal."
Für einen Augenblick war Kaarn sich nicht sicher, wie es weiter gehen sollte, dann entdeckte er die Rübe und hob sie auf. "Iß das", sagte er zu Uurla und streckte ihr die schmutzige Rübe entgegen. "Wenn mein Sohn dir etwas anbietet und du es nicht vernünftig ablehnen kannst, dann sollst du es auch annehmen."
"Das esse ich doch nicht!" Uurla versuchte zu flüchten, aber ihr Onkel hielt sie fest.
"Iß das jetzt oder es setzt was." Er drückte Uurla die Rübe in die Hand.
Und Uurla aß und weinte dabei. Dass an der Rübe Erde klebte war nicht schlimm aber er hatte davon abgebissen. Während Uurla kaute und schluckte, stellte sie sich Wasserkopfs breite, gelbe Zähne vor, wie sie sich in die Rübe bohrten. Sie aß etwas, das seine Zähne berührt hatten. Sie brauchte nicht einmal genau hinzusehen, um seinen Speichel zu sehen, der immer noch an der Rübe hing und sich in Fäden darum schlang und sich langsam in ihrem eigenen Mund ausbreitete. Uurla weinte noch mehr und es wurde ihr auch noch schlecht.
"Weiter, ganz aufessen", sagte Kaarn und stieß sie in den Rücken.
Uurla aß weiter, biss, kaute und schluckte, spürte die fremden Spuckefäden noch in ihrem Magen. Und jetzt roch sie es auch. Die ganze Rübe stankt wie Wasserkopfs Mund, faulig, aufdringlich. Vater ? sie würde alles Vater erzählen!
"Geht doch! Jetzt verschwinde, lass dich vor der Kammer nicht mehr sehen, bis die Lichter ausgehen", sagte Kaarn. "Und für dich gilt das gleiche", rief er Luec hinterher, der seiner Schwester folgte.

Die Matten hingen schlaff im bläulichem Dämmerlicht, nur in zweien lagen Uurla und nicht weit entfernt ihr Bruder. Wasserkopf schlief draußen, denn in der Kammer bekam er oft Husten. Die Erwachsenen waren alle noch auf und stritten.
Uurla hatte Darwin alles erzählt. Ihr Vater war ein wichtiger Mann, denn er arbeitete oben bei den Kobul. Leider war er deswegen den ganzen Tag nicht da. Er war sofort zu Kaarn gegangen und die beiden hatten gestritten, Darwins Lippe blutete immer noch. Großmutter hatte fürchterlich gekeift und einige Männer hatten sich mit Bambusstangen bedroht.
Irgendwer musste Priester Corvus geholt haben, denn er war plötzlich da. Das war der Moment in dem Uurla eingefallen war, dass sie längst ins Bett musste, immerhin hatte sie den Unterricht geschwänzt. Corvus hatte zur Besonnenheit aufgerufen und an die Werke von Wisderbaan erinnert. Einige Frauen hatte er gebeten ganz besonders süßen Grauen Süßvla zu machen, den Männern mit den Bambusstöcken für ihre Hilfe gedankt ? sie könnten in ihre Kammern gehen.
"Niemals, soll doch Darwin Uurla töten, sie ist diejenige, die Probleme macht."
Uurla horchte auf, das war Kaarns Stimme gewesen. Priester Corvus drückte ihren Vater auf seinen Platz zurück und auch Großmutter war aufgesprungen. Von den anderen Erwachsenen erklang Gemurmel. Als ob sie die Aufregung spürten, glitten die leuchtenden Quallen in den Aquarien hin und her, so dass blaues Dämmerlicht über die Gesichter der Diskutierenden glitt.
"Uurla ist ein gesundes Mädchen, keine Mißgeburt."
"Vielleicht nicht im Körper, aber im Geiste ? und den kleinen Luec zieht sie auch immer mit rein!"

Die Quallen hatten sich beruhigt und die Erwachsenen schliefen. Uurla kroch unter den Hängematten her und holte sich aus einem Regal das schmale Messer, mit dem ihre große Schwester immer den Fisch ausnahm. Sie wollte nicht sterben. Ihr Vater würde das zwar nicht zulassen, aber der war oft oben bei den Kobul und wer wusste schon, was Kaarn in dieser Zeit tun würde?
Uurla schlüpfte aus dem Eingang hinaus - der Vorhang wehte im Luftstrom - und sah sich im dämmrigen Licht der Aquarien um. Groß und schweigsam standen die hohen Bambusstämme da, irgendwo unterhielt sich jemand und ein Wickelkind schrie, weit entfernt, vor sich hin. Auf einigen Bambusblättern, der Haufen hinter dem sie und Luec sich versteckt hatten, schlief Wasserkopf.
Vorsichtig schlich sie sich näher heran. Wasserkopfs Augen waren geschlossen, sein Mund aber halb geöffnet, seine glitschige Zunge leuchtete bläulich und Speichel floss ihm das Kinn hinunter. Er musste aus einem der Becken getrunken haben.
Uurla zögerte. Wie man einen Fisch aufschnitt wusste sie, aber einen Menschen? Wasserkopf durfte nicht aufwachen und losschreien. Der Hals schien ihr am Besten geeignet, sie setzte das Messer an und zuckte zurück ? Ihre Füße hatten den Kontakt zum Boden verloren. Sie wollte schreien, traute sich aber nicht. Was, wenn man sie mit einem Messer hier erwischen würde? Was wenn Kaarn sie...
Voller Verzweiflung schnappte Uurla nach Luft, als sie höher stieg. Sie drehte sich, sie war jetzt schon auf Höhe der Terrassen, drehte sich wieder und trieb ein Stück auf den Bambuswald zu. Plötzlich rann es ihr warm die Beine hinunter - sie hatte sich vor Angst in die Hose gemacht. Aber noch immer schrie sie nicht, dafür quickte und fiebte sie wie eine Ratte, die das Blut einer anderen Ratte roch.
Jetzt kippte sie vornüber, konnte im Halbdunkel weit unter sich Wasserkopf sehen, der immer noch mit geschlossenen Augen dalag. Machte er das mit ihr? Waren es die Kobul die sie straften? Jetzt erreichte sie fast die Kuppeldecke. Uurla schloss die Augen und betete alle Gebete, die Corvus sie gelehrt hatte, spürte, wie sie sich weiter durch die Luft bewegte und als sie die Augen wieder öffnete, schwebte sie knapp über dem Boden und setzte wenige Augenblicke später sanft auf.

Priester Corvus stand zwischen den Bambushalmen und sah zu, wie Uurla ihr Nachtkleid auszog und in einem Becken wusch. Dann verschwand das Mädchen in der Kammer. Dem Wasserkopf war nichts passiert. Corvus ging einige Schritte und hob das scharfe Fischmesser auf, das dem Mädchen aus der Hand gefallen war.
Der Priester dankte im Stillen den Kobul und bat sie, das Mädchen möge von nun an die Finger von Wasserkopf lassen und ihr vorlautes Mundwerk zügeln. Wegen ihr wäre es fast zu einem offenen Konflikt gekommen. Der Streit zwischen den Bambusbauern und den Arbeitern der Kobulfabriken in seiner Gemeinde war jetzt hoffentlich abgewendet. Priester Corvus ließ spaßeshalber einige Bambusblätter auffliegen. Ja, die Kobul hatten schon gewusst, warum sie ihm diese seltsame Fähigkeit gegeben hatten. Zeit, ihnen zu berichten.
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