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Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Jan-Tobias Kitzel

Von Oben nach Unten

1.

"Also bei der gegenwärtigen, schwierigen Lage Ihres Unternehmens habe ich kaum eine andere Wahl, Herr Tjörungsson", drang Feydar die Stimme des Bankiers an sein Ohr. Das Licht schien Feydar mitten ins Gesicht und der Duft des Aftershave seines Gegenübers brannte sich in seiner Nase fest.

Er hatte solche Gespräche nie gemocht, sein Platz war an Bord eines Schiffes. Feydar war ein Entscheider, kein Bittsteller, und doch waren die Rollen in der Bank klar verteilt. Seinem kleinen Fuhrunternehmen ging es schlecht, und ohne einen kurzfristigen Kredit müsste er >>Feydar Spedition<< bald schließen und seine Leute entlassen. Ein feuchter Glanz legte sich über die Augen des gestandenen Kapitäns.

Eine Bewegung vor ihm ließ ihn aus seinen Gedanken wieder in das Hier und Jetzt zurückschnellen. Mensching, seines Zeichens Bankberater, drehte gerade ein Schriftstück in Feydars Richtung und lehnte sich zurück, wobei der billige Anzug von der Stange sich prompt in hässliche Falten legten. Das stand im krassen Gegensatz zur edlen Umgebung der Bank: der Teppich unter Feydars Füssen sah aus wie handgeknüpfter Uppländer, und die teure, wenn auch blendende Schreibtischlampe auf dem Flechttisch war aus Muscheln handgeklebt.

"Wie Sie hier sehen können", sagte er und deutete mit einer zarten Hand auf die vor Statistik überquellende Seite, "sind die wichtigsten Kennzahlen ihres Unternehmens in den letzten zwei Quartalen stetig und dramatisch gesunken. Umsatz um 34 Prozent, transportierte Warentonnen um 15 Prozent und der Gewinn hat sich sogar ins Negative verkehrt, von der aktuellen Liquidität ganz zu schweigen." Mensching ließ die mit einem gekünstelt traurigen Gesichtsausdruck vorgetragenen Worte einen Moment wirken.
"Beim besten Willen", fuhr er fort, sein dabei zur Schau getragenes, aufmunternd gemeintes Lächeln überschritt in keiner Sekunde den Nasenäquator, "der Vorstand würde mich in der Luft zerreißen, würde ich Ihnen auch nur einen weiteren LEX geben. Sie kennen ja die verhärtete Kreditpolitik aller Banken nach dem zweiten Abkommen von Las Mares!"
Mensching ließ eine dramatische Kunstpause verstreichen in denen Feydar ihn am liebsten auf die Liste für seine nächste Fahrt gesetzt hätte... als Torpedo! "Vielmehr habe ich Sie nicht um dieses Treffen gebeten, um mit Ihnen eine Ausweitung Ihrer Kreditlinien zu besprechen, sondern um Ihnen eine für alle Beteiligten schwere Entscheidung mitzuteilen, die unsere Kreditabteilung getroffen hat."

Allein bei dem Wort "gebeten" hätte Feydar ihm am liebsten das dämliche Lächeln in das zarte Gesicht gemeißelt und ihn mit seinem billigen Jackett erwürgt. "Herbefohlen" hätte es wohl eher getroffen!

Mensching beugte sich wieder nach vorne und zog dabei die Statistik langsam zu sich. "Nach den aktuellen Zahlen und den schlechten Zukunftsaussichten Ihrer Firma hat unsere Bank sich leider dafür entschieden, alle Kredite zu kündigen und per Monatsende fällig zu stellen, nach Paragraph 21 des Kreditvertrags."

Feydars Eingeweide fühlten sich an, als hätte sie jemand schockgefrostet. Mit zittriger Stimme antwortete er: "Das können Sie nicht machen, ich müsste Konkurs anmelden! Was kann ich für die ständigen Piratenüberfälle in letzter Zeit auf unsere Schiffe? Begleitschutz können wir uns nicht leisten, das müssten wir in die Preise einkalkulieren und dafür ist der Wettbewerb in unserer Branche zu hart. Und ohne zusätzliche Kämpfer können wir uns nicht der gezielten Überfälle erwehren, was uns viel Geld kostet und so verhindert, dass wir uns eben diesen Begleitschutz leisten könnten! Ein BFS-Kreis!"

Mensching sah auf das kleine Häuflein Elend von einem Kapitän vor sich und lächelte süffisant in sich hinein. Um Feydars Unternehmen stand es wirklich nicht gut, aber gleich alle Kredite als sofort zahlbar zu stellen war eher ungewöhnlich. Aber wenn man gegenüber dem richtigen Kreditsachbearbeiter die passenden Worte in der Mittagspause fallen ließ...

Mit gesenktem Kopf stand Feydar auf, würdigte Mensching keines Blickes. Soll er doch selber mal sehen, wie es ist, ein Unternehmen zu leiten. Wenn jetzt also die Banken gerade denen keine Kredite mehr geben, denen es auch nur etwas schlecht geht, dann werden sie sich in ein paar Monaten umschauen und leere Teller erblicken, denn die füllen wir, der Mittelstand!
Die letzten Monate waren die Hölle gewesen. Die Piraten hatten es nur auf seine Schiffe abgesehen, die Gewerkschaft plötzlich höhere Gefahrenzulagen gefordert und die Stawawerft nur für seine Flotte ohne Vorwarnung die Wartungszeiten gekürzt. Die dadurch zwangsläufigen Schiffsausfälle hatten ihn Zehntausende LEX an Konventionalstrafen gekostet. Alles zusammen genommen stand sein Unternehmen am Strudel und ohne einen kurzfristigen Kredit zum Wiederaufrappeln...
Er ging langsamen Schrittes aus dem Raum, auf dem weichen Teppich waren sie genauso lautlos, wie der Untergang seines kleinen Betriebs es in wenigen Tagen sein würde. Gesenkten Hauptes schlich er davon, seine Schritte verloren sich in der Menschenmenge der Schacherstadt.

Von Oben nach Unten - Teil 2

2.

Wasser tropfte auf den Metallsteg neben ihn, in der Ferne hörte Mensching schwere Maschinen ihren immerwährenden Dienst vollführen. Warum musste Verström solch schaurige Orte für ihre Treffen wählen?
Schnelle, knallend widerhallende Schritte ließen ihn herumfahren. Aus dem Halbdunkel des in LOD5 gelegenen Ganges schälte sich eine magere Gestalt im feinen Anzug heraus. Verström war stets pünktlich.
Weiche Züge eines Menschen, der nie hatte arbeiten müssen, einen schweren Siegelring an der Hand, für dessen Wert ein Arbeiter ein Jahr sein Familie hätte satt machen können und fein frisierte, grau-melierte Haare zeichneten die Gestalt aus, die mit einer braunen Aktentasche vor Mensching trat.

Die hohe Fistelstimme, die sich beim Sprechen beständig überschlug konterkarierte die edle Gestalt Verströms, als er mit hochgezogener Augenbraue Mensching ansprach: "Lief alles zu meiner Zufriedenheit?"

Mensching bemühte sich Unterwürfigkeit in seine Stimme zu legen, als er antwortete. "Natürlich! Ich habe das passende Wort an angemessener Stelle fallen lassen und erwartungsgemäß hat unsere Bank alle Kredite gekündigt. In einer Woche spätestens ist >>Feydar Spedition<< Geschichte!"

Ein zufriedener Ausdruck trat in Verströms Gesicht, seine lang gehegten Pläne gingen also auf. "Sehr gut, Herr Mensching. Der Inhalt dieser Tasche wird sie für Ihre Mühen angemessen entschädigen." Mit diesen Worten setzte er die Tasche auf den schmierigen Gitterboden.

Mit gierigen Händen griff Mensching nach der Tasche, öffnete sie und ließ seine Hände über mehrere dicke Lex-Bündel gleiten. "Stets zu Diensten, Herr Verström." Er legte seine Stirn in Falten, die Neugier obsiegte. "Kann ich Sie etwas fragen? Mir ist bewusst, dass ich nur ein kleines Rädchen in Ihrem Plan bin, aber ich verstehe nicht, was für eins. Warum soll Feydar Spedition ruiniert werden?" Mensching glaubte einen Moment zu weit gegangen zu sein, doch dann wurde der Argwohn in Verströms Gesicht durch seine übliche Selbstzufriedenheit und Arroganz ersetzt.

Verström strich sich durch sein weiches, makelloses Gesicht und das Wasser tropfte im Hintergrund weiter sein entnervendes Stakkato. Er schien seine Antwort wohl zu bedenken. "Natürlich ist dem so, Sie glauben doch nicht etwa, ich lege meine weitreichende Pläne in die Hände nur eines Menschen? Nein, Sie haben der Spedition nur den letzten Schubs gegeben, ich habe alles von langer Hand geplant!"

Mensching lehnte sich an die Wand, bereute dies aber nur Sekunden später als der allgegenwärtige Beschlag von Feuchtigkeit den Weg durch seinen Anzug fand. "Etwas genauer können Sie schon werden. Welches Interesse hat ein Mann wie sie an einer kleinen, mittelständischen Spedition. Mir können Sie es doch ruhig sagen, ich stecke viel zu tief drin um damit herumzuprahlen."

Ein hintergründiges Lächeln stahl sich für Sekundenbruchteile auf Verströms Gesicht. Wie nahe der Tölpel doch an der Wahrheit liegt. "Feydar hat mehr Glück als Verstand! Die Spedition wurde bereits von seinem Vater vor Jahrzehnten gegründet und hat in der Branche immer noch einen guten Namen ... trotz der , sagen wir ... merkwürdigen Überfälle auf seine Schiffe. Mein Mann in seiner Verwaltung hat mir rechtzeitig Bescheid gegeben, dass alte Kunden von ihm an einem Riesenauftrag feilen und Feydar Spedition ihn aufgrund der guten Kontakte so gut wie sicher abräumen kann. Und ich will diesen Auftrag! Damit bekomme ich endlich einen Fuß in diese Branche, und das gleich mit einem Kracher!"

Wenn, dann richtig... nichts anderes hatte ich dir zugetraut, du schmieriger Hai! Aber Hauptsache die Bezahlung stimmt! Mensching begann sich im Geiste auszumalen, wofür er das Geld ausgeben könnte, endlich würde er finanziell unabhängig sein. Aber eins interessierte ihn dann doch noch und solange er seine Neugier befriedigen konnte...
"Und wie geht es jetzt für Sie weiter?"

"Sobald er Konkurs anmeldet, werde ich dem Unternehmen ein Übernahmeangebot unterbreiten, dass er, auch im Interesse seiner Arbeitnehmer, nicht ausschlagen kann. Ich kaufe die Spedition für eine Krabbe und ein Bier! Ohne die von mir verursachte desperate Lage hätte der Sturkopf nie verkauft!" Und mit einem siegessicheren Lächeln drehte Verström sich herum und ließ einen gierig zählenden Mensching zurück. Die Schritte klackten hart auf den nassen Metallstegen und trieben ihr Echo weit in die traurigen Arbeiterebenen von Lod5 hinein.
An der nächsten Kreuzung blieb er kurz stehen und sprach, ohne den Kopf zu drehen: "Keine Zeugen! Die Tasche sei Ihr Lohn!"

Schnelle Schritte ertönten im Halbdunkel, den Weg zurück den Verström gegangen war. Licht blitzte auf, gefolgt von einem elektrischen Summen. "Jeder Mensch hat seinen Platz in der Geschichte, aber manche sind nur eine Randnotiz!" dachte er bei sich und begleitet von Menschings Schreien strich Verström sich einen Fussel vom feinen Anzug.
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