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Schlacht um Stawa

Eine Kurzgeschichte von Mirko Beine und André Wiesler.

Schlacht um Stawa (Teil 1)

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Mirko Beine und André Wiesler

Immer mehr Punkte erschienen auf der Karte, die auf der nun abgedunkelten Brücke wie bunter Sprühnebel hing. Die Ortung kam mit dem Ansagen kaum noch nach: "Delta 17 ist Comnata 17, Wera 11 ist DS Natascha, Delta 18 ist Seehecht 18, Delta 20 ist..."
"Halt!", bellte der Kapitän. "Nur noch Groschnis ansagen!"
Es war zu erwarten gewesen, dass ein ganzer Schwarm ziviler Schiffe sich bei Stawatycze herumtrieb. Sie hatten den Großteil von ihnen schon bei den ersten, kurzen Pings des SubSonars mit voller Kraft entdeckt, als sie vor knapp 30 Minuten Nida passiert hatten und auf 400 Meter auftauchen mussten. Aber jetzt, wo sie auf sieben Steg an Stawatycze heran waren, fing das Sonar immer mehr Schiffe auf und konnte Einzelheiten erkennen.
Die Ortung blieb stumm - kein einziges militärisches Schiff bisher. Da stimmte etwas nicht. Versteckte sich ihre Flotte hinter dem Heimatberg und benutzte ein ziviles Schiff als Späher? Aber auf was warteten sie dann? Wenn sie die Beschützer-Flotte noch abfangen wollten, bevor sie Stawatycze erreichte, müssten sie bald...
"Mehrere Kontakte, 19 Steg in 2-8-3, minus 120, steigend, bei 50 km/h", meldete die Ortung. Rote Punkte erschienen auf der Karte und näherten sich schnell den Beschützern.
"Volle Geschwindigkeit voraus", befahl Kapitän Fehrsen. "Sonar volle Kraft." Heimlichkeit hatte jetzt keinen Zweck mehr.
Die roten Punkte auf dem Schirm wurden benannt: "Sierra 1 ist Voronitsa 1, Delta 2 ist Vakten 2, Delta 3 ist Vakten 3, Delta 4 ist Vakten 4."
Bisher sah es gut aus - selbst wenn sich die zivilen Schiffe einmischten, waren die Beschützer gut genug bewaffnet, um die Voronitsa und ihre Unions-Freundinnen in Schach zu halten.
"Kurs 0-1-6, bringen sie uns auf 1 Steg an die Stadt heran, dann alle Maschinen voller Stop", befahl der Kapitän.
Das laute Klackern seiner harten Sohlen auf dem Gitter kündete von der Ankunft Agent Schneiders. "Bericht?", verlangte er zu wissen, aber Fehrsen ignorierte ihn.
"Rufen Sie die Voronitsa", wies er die Kommunikation an und wenig später dröhnte seine Nachricht über die Trägerwelle des Sonars zur Voronitsa hinüber. Er sprach Lodt, um sicherzustellen, dass seine Nachricht verstanden wurde.
"Hier spricht Kapitän Fehrsen von der SBS Seeruh. Wie sind auf den direkten Befehl des Präsidenten des Bundes freier Städte hier. Als Reaktion auf den unprovozierten Abschuss eines unserer Schiffe stellen wir Stawatycze unter Arrest, bis über einen angemessen Schadensersatz verhandelt wurde."

Es war einen Augenblick still, in dem die Schiffe das Meer weiter durchpflügten. Die Beschützer in Richtung Stawatycze, der Gegner auf Abfangkurs. Die Bühne war für den Tanz bereitet, jetzt war die Frage: Wer würde die Musik bestimmen?

********************

Komandor Mauric umklammerte stumm die Rückenlehne seines Sitzes. Er starrte auf den Lautsprecher, aus dem die Nachricht des Kapitäns der SBS Seeruh über die Brücke geschallt war, von dort in sein Ohr hinein und in die hasserfüllten Hirnwindungen, die versuchten, das soeben Gehörte zu verarbeiten. Sein eines, linkes Auge zuckte hin und her, als suchte es nach einer Lösung.
"Komandor Mauric", fragte einer der Offiziere zögernd.
"Ihre Befehle?"
Maurics Kopf zuckte herum. Sein Kiefer mahlte, als hätte er die Bundesschiffe am liebsten verspeist. Mühsam beherrscht setzte er sich in Bewegung. Seine Stiefel knallten Torpedoeinschläge auf dem Boden, als er zum Kommunikationsstand stürzte und dem Offizier das Head-Set vom Kopf riss.
"Rufen Sie sie", sagte er mit gefährlich ruhiger Stimme.
"O-offen, Sir."
Mauric hielt sich das Mikrofon an den Mund und holte tief Luft.
"Hier spricht Komandor Mauric von der DS Bezec. Bundesschiffe - MACHEN SIE, DASS SIE ZURÜCK ÜBER DIE GRENZE KOMMEN!"
Der Kommunikationsoffizier winselte, als Maurics Hand sich in dessen Schulter verkrampfte.
"ZIEHEN SIE SICH SOFORT ZURÜCK, ODER WIR ERÖFFNEN DAS FEUER!"

********************

Fehrsen nickte ernst, als die Antwort des stawischen Kapitäns verklungen war.
"Eröffnen sie das Feuer", drängte ihn Agent Schneider und seine Augen waren blutunterlaufen vor Aufregung. "Zeigen Sie diesen Stollenkriechern, dass sie der Macht des Bundes nichts entgegen zu setzen haben!"
Fehrsen verzog den Mund: "Schneider, bitte... das ist eine heikle Situation!"
Der Agent blitzte ihn an: "Für die ich besser ausgebildet bin als Sie! Waffenleitstand, feuern Sie einen Vulkan auf die Stadt ab. Das wird sie zur Vernunft bringen."
"Befehl widerrufen", bellte Fehrsen und schob Schneider zur Seite, um sicher stellen zu können, dass der Waffenleitoffizier nicht doch noch schoss. Dann drehte er sich zu Schneider um: "Wir werden alles Notwendige tun, damit diese Mission ein Erfolg wird", sagte er mühsam beherrscht. "Aber bevor wir Unschuldige töten, nutzen wir erst alle anderen Möglichkeiten!"
Fehrsen wollte sich der Kommunikation zuwenden, um weitere Verhandlungen aufzunehmen, doch er sollte nicht mehr dazu kommen.

"Kontakte auf 2-3-7, Floh 5 ist Requin 5, Floh 6 ist Requin 6, das sind alles Requins! Requin 7 bis Requin 16."

********************

Rambeaut drückte das Schubpedal durch und schlängelte seine USA Femme Fatale an die Spitze seiner Requin-Staffel.
"OK, mes amis - - der Spaß beginnt. Chespoe, Eric, Marie, Robere, Mondeau - ihr folgt mir. Der Rest teilt sich auf. Fünf zur SBS Feindesschreck, fünf zur SBS Grenzwacht. Casper, Antoine - - ihr übernehmt das Kommando. Schnappt sie von der Seite oder von unten und haltet euch von ihrer Oberseite fern - die Hydras schießen euch schneller in Fetzen, als ihr ?Scheisse' brüllen könnt!"

Die Bestätigungen kamen herein. Auf dem HUD teilte sich der Schwarm in drei Gruppen auf.
Rambeaut zog den Steuerknüppel nach hinten. Der Antrieb jaulte auf und das Schiff ächzte, als er es neunzig Grad nach oben zog. Seine Flossenmänner folgten ihm. Der Steuerknüppel zitterte unter der Belastung. Rambeaut wurde in seinen Sitz gepresst, als ob Tonnen von Stahl auf ihm lasteten. Zitternd und wie durch komprimierte Watte tastend, drückte er auf die Armaturen und erfasste die SBS Seeruh, die sich rasant näherte. Auf dem HUD sah er Caspers und Antoines Geschwader, die sich fast parallel zu ihm bewegten. Er entsicherte den Torpedowerfer. Die Mechanik lies sanft seinen Sitz vibrieren, als ein Baby-Wal vollautomatisch aus dem Magazin ins Rohr geschoben wurde.
Der Bauch der Seeruh füllte sein gesamtes Sichtfeld aus. Plötzlich piepste sein HUD aufgeregt - auf 0-4-0 plus 200 schob sich ein Handlares unter die Beschützer! Rambeaut fluchte und rief das Schiff: "HANDLARES, machen sie, dass sie hier WEG KOMMEN. Sie befinden sich in unserer Schusslinie!"
Aus dem Äther rauschte Gejammer und Heulen: " Oh bitte, töten sie mich nicht, ich ergebe mich, bitte...!"
Die Handlares fuhr weiter.
"Antoine, ausweichen!"
"Verstanden. Aber erst gibt's noch eine auf den Latz..."
"Scheiße, ausweichen hab ich gesagt!"
Der Beschützer war zu nah. Rambeaut stemmte sich gegen das Bremspedal und drückte den Auslöser. Der Torpedo sauste aus seiner Höhle, während das radikale Bremsmanöver Rambeaut ins Sitzgeschirr schleuderte.
"Baby-Wal out"
Er drückte den Steuerknüppel nach unten und beschleunigte, weg von den Bundesschiffen. Auf dem HUD sausten elf Torpedos auf die Beschützer zu. Antoine und seine Gruppe waren immer noch auf Kurs. Sie manövrierten messerscharf an dem Handlares vorbei.
Sie waren zu nah dran. Wild entließen sie die Torpedos ins Wasser, wichen der Feindesschreck knapp seitlich aus und schossen weiter in die Höhe. In ihrem Rücken schwangen die Hydra-Geschütze nach oben wie der riesige Kopf eines urzeitlichen Ungetüms.

Schlacht um Stawa (Teil 2)

Fehrsen fluchte leise, als der Mann an der Ortung rief: "Elf Typ I incoming".
"Feindesschreck, Abfangkurs Requins, die Grenzwacht beschäftigt die Vakten. Kurs 2-8-3, volle Kraft voraus. Voronitsa aufschalten. Countermeasures frei."
Fehrsen runzelte die Stirn. Er hätte es vorgezogen, das hier mit so wenig Blutvergießen wie möglich zu Ende zu bringen, aber wenn sie es auf diese Weise haben wollten...
"Voronitsa aufgeschaltet", meldete der Waffenleitstand.
"Auf Trägerwelle gestreut senden: Stellen Sie augenblicklich das Feuer ein."
Ein Augenblick verging, die Schiffe rasten aufeinander zu, die Abwehrwerfer spielten ihr Lied, als sie durch das Wasser summten. Ein einmal abgefeuerter Torpedo war nicht mehr zurückzurufen. Explosionen dröhnten im Wasser, als die Torpedos ihre tödliche Wut an Täuschkörpern ausließen. Aber sie erwischten nicht alle...
"Incoming 3, 2, 1", zählte die Ortung herunter und Fehrsen bemerkte aus dem Augenwinkel, dass Agent Schneider sich an der eisernen Laufleiste festklammerte. Der Torpedo schlug ein und schüttelte die Seeruh durch, aber um durch die dicke Haut seines Schiffes zu kommen, brauchte es schon andere Kaliber. Weitere Typ I verpufften an der Außenhaut.
Für einen Augenblick sah es so aus, als hätte man auf seinen Aufruf reagiert. Keines der Schiffe feuerte mehr. Dann explodierte mit lautem Krachen einer der Requins, von den Hydras der Feindesschreck zerrissen.

********************

Einer der Requins erlosch auf dem taktischen Schirm. Mauric fluchte. Damit waren alle Chancen verspielt. Das Gefecht war eröffnet.
"Geschütze - Feuer frei! Halten sie uns die Torpedos vom Leib. Navigation - bringen sie uns auf Höhe mit der Seeruh. Enterkapseln abfeuern, danach 50 Grad steuerbord und volle Breitseite!"
"Aye, Komandor"
Er wandte sich zum Kommunikationsstand um.
"Das Vakten-Geschwader soll die Grenzwacht beschäftigen. Wir können unsere Flanke nicht drei Beschützern gleichzeitig öffnen."
Mauric setzte sich in seinen Stuhl. Alle Wut war aus ihm gewichen. Sein Geist kalkulierte anzunehmende Schäden, Munitionsvorräte und zu erwartende Verluste, während er die Geschehnisse auf dem taktischen Schirm beobachtete. Die Requins formierten sich neu und setzten zu einem weiteren Angriff an. Die Arbiträer hatten das ganze Schlamassel erst zum Ausbruch gebracht. Doch der Kampf hatte begonnen. Hoffentlich würden sie sich wenigstens gut verkaufen.

"Enterkapseln auf Kurs, Komandor."
Mauric nickte.
"Backbord - auf mein Kommando: Feuer frei!"

********************

Fehrsen schlug auf die Lehne seines Kapitänssessels. Jetzt war der wertvolle Moment verstrichen, in dem man eine volle Schlacht hätte verhindern können.
"Alle Schiffe: Feuer frei!", rief er, stand auf und trat neben die Ortung. "3 Grad Backboard, halbe Kraft, vordere Torpedorohre abfeuern."
Explosionen klangen dumpf und verzerrt bis zur Brücke durch, wie das dunkle Knurren eines großen Hundes, wie sie sein Vater gezüchtet hatte.
"Vulkane out", gab der Waffenleitstand zurück, während auf dem großformatigen VASI-Schirm der Ortung die Objekte durcheinander zischten.
"Volle Salve Steuerbord und Backbord, auf den Antrieb!"
"Flossen out", war die Antwort. Zwei Typ V und zwölf Typ III sollten selbst bei einer Voronitsa einen Effekt erzielen.
Es fiel Fehrsen schwer, einen Überblick über die Schlacht zu behalten. Fast zwanzig Schiffe, über 60 Torpedos im Wasser. Oft war der Unterschied zwischen einem guten Kapitän und einem toten Kapitän nur ein schmaler Grad Intuition.

********************

Die SUS Hamaren näherte sich der Grenzwacht. Zusammen mit den anderen beiden Vakten SUS Trohet und SUS Folksbalda hatten sie die Beschützer links umgangen und stürzten nun auf das Heck des Feindes herab. Kommandoer Strolnangen hatte einen Plan. Ihren Informationen nach war das Heck des Beschützers schwächer gepanzert. Das Hydra-Geschütz war abschreckend genug, so dass nur ein Wahnsinniger auf die Idee kommen würde, das Heck eines Beschützers anzugreifen. Nun, Strolnangen hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte.

"Trohet, Folksbalda - wird werden ihnen als Schutzschild dienen. Feuern sie alles, was sie haben, auf einen Punkt unterhalb des Geschützturmes."
Die Kommunikation gab den Befehl ordnungsgemäß weiter. Strolnangen wusste, dass seine Männer begriffen hatten. Wie ein stilles Einverständnis lag die Gewissheit zwischen ihnen, dass die Chancen verdammt schlecht standen, diese Aktion zu überstehen.
"Sinken auf minus 30. Bug 0-2-5 Grad neigen. Torpedos bereit machen."
Die Hamaren sackte ab. Auf dem Schirm sah er das Hydra-Geschütz, das in einer langsamen Kreisbewegung seine Rohre auf sie schwenkte. Hinter der Hamaren gingen die anderen Vakten in Position.
Die Hydra spuckte heulend Geschosse aus. Tausende wütende Faustschläge prasselten gegen den Rumpf der Hamaren und fraßen die Panzerung von der Hülle. Das Schiff bebte unter den gewaltigen Kräften, die an ihm rissen. Die Alarmsirene heulte los, und das Schadensystem des Schiffes sandte klagende Meldungen über die Anlage.
"Feuer...frei!" schrie Strolnangen, der in seinem Sitz durchgeschüttelt wurde.
"Aus allen...Rohren!"
Zwei Flossen rasten aus den Schächten und detonierten blendend am Rücken des Beschützers.
Die Druckwelle hämmerte jeden klaren Gedanken aus Strolnagnes Schädel. Er wurde in seinem Sitz hin-und hergeworfen, als eine Woge siedenden, sprudelnden Wassers gegen die Hamaren dröhnte und das Schiff in Schräglage warf. Ein Schwarm jaulender Magnesiumgeschosse durchschlug den schwachen Bauch des Vakten, zog hinüber zur linken Flosse und durchlöcherte sie so sehr, dass sie von der Belastung der Kippbewegung abgerissen wurde.

Wasser strömte in den Leib des Schiffes, röhrte besitzergreifend und gierig durch die Gänge und schoss in die Brücke. Das letzte, was Strolnangen auf dem Gefechtsschirm sah, waren die Torpedos der Trohet und Folksbalda, die in den Hinterleib des Beschützers einschlugen und ein klaffendes Loch rissen.

Schlacht um Stawa (Teil 3)

"Grenzwacht KomZep", rief die Ortung ungläubig und für einen Augenblick fühlte Fehrsen eisige Finger nach seinem Gehirn greifen. Die Grenzwacht zerstört? Von drei Unionsschiffen?
"Vakten 2 und 4 auf Abfangkurs, Incoming Seeker. Abwehrwerfer 1 bis 3 Tom."
Fehrsen warf einen Blick auf die Karte - die Feindesschreck war umschwärmt von Requin, einige hatten bereits mit ihren Saugnapfschleusen angedockt, aber an den städtischen Sicherheitsleuten würden sie sich die Zähne ausbeißen.
Die ersten Vulkane schlugen in die Voronitsa ein.
"Seeker in 5, 4, 3", rief die Ortung.
In schneller Folge wurden Countermeasures abgeworfen, aber der Seeker ließ sich nicht ablenken.
"2, 1."
Diesmal war der Treffer massiv. Das Schiff dreht leicht um die vertikale und im selben Moment schossen die beiden verbliebenen Vakten seitlich heran und aus unmittelbarer Nähe auf die Stelle, an der der Seeker gerade ein Loch in die Hülle gerissen hatte. Die Explosionen im Inneren des Rumpfes pflanzten sich über die Stahlstreben fort. Der Kapitän konnte sie unter den Sohlen seiner Stiefel spüren.

********************

Die Kraft der am Rumpf des Beschützers explodierenden Torpedos holte die beiden Vakten ein und rumpelte über ihre Hülle. Es war einer der wenigen Momente, in denen Kommandoer Eykjaninnen sich wirklich gut fühlte. Sie hatten schon einen Beschützer zerstört und waren im Begriff, dem zweiten den Todesstoß zu versetzen. Oh ja, dies war ein großer Tag für all die Lebenden und Toten der Union. Das Opfer der SUS Hamaren würde nicht umsonst gewesen sein. Der Gefechtsschirm meldete massive Beschädigungen am backbordseitigen Rumpf der Seeruh. Sie hatten die Attacke perfekt ausgeführt. Einer punktuell so konzentrierten Zerstörungskraft musste sich auch die Panzerung eines Beschützers beugen.

"Wenden", befahl er. Es war Zeit, das Werk zu vollenden.

********************

"Coup-plus Voronitsa, Zwei, nein Vier Vulkane incoming", meldete die Ortung und die junge Frau an der Schiffswacht - kreidebleich, aber tapfer auf dem Posten - keuchte: "Vordere Sonarkammer unter Wasser."
Fehrsens Blick ruckte zum Bildschirm des VASI, dessen Bild jetzt von Strichen durchzogen war und gelegentlich flackerte. Nur noch die Hydrophone des rechten Rumpfes arbeiteten und als er einen Blick auf die Karte warf, sah er die Vakten im Bogen wenden, vermutlich um genau diesen zu beschießen. Zusammen mit den Typ V-Torpedos der Voronitsa wäre das zuviel - sie wären blind. "Volle Wende!", befahl Fehrsen. Die Nase der Seeruh schwenkte langsam zur Seite. "Sprengbojen auf mein Zeichen!" Weitere Torpedos schlugen in den Beschützer ein. "Typ V linker Rumpf zerstört."

********************

Eykjaninnen konnte es kaum glauben. Die Seeruh drehte langsam nach backbord und präsentierte ihnen so die unbeschädigte Seite des Rumpfes. Die Bundessoldaten waren noch unfähiger, als die Spötteleien und Schmähungen über die BFS-Marine ausdrücken konnten.

Im Kielwasser der wendenden Folksbalda folgte die Trohet dem Manöver. Triumphierend zogen die Vakten ihre Schleife vor dem schwer angeschlagenen Beschützer und näherten sich abermals dem sterbenden Koloss.
"Torpedos auf mein Kommando." Eykjanninen rutschte vorfreudig in seinem Sitz hin und her, während die Meter zur Seeruh schmolzen. Auf die Entfernung würden sie auch das zweite Bugtorpedorohr mit Leichtigkeit ausschalten können.

Auf dem Gefechtsschirm lösten sich plötzlich unzählige kleine, rote Punkte vom Rücken des Beschützers.
"Sprengbojen, Kommandoer!"
"Steigen!", schrie Eykjaninnen, doch es war zu spät. Mit voller Fahrt rasten die Folksbalda und die Trohet in die hochexplosiven Kugeln und wurden von einem Inferno aufblitzender Detonationen zerrissen.

********************

"Beschießen Sie die Stadt, verdammt!", brüllte ihn Schneider mit zuckendem rechtem Auge an. "Worauf warten Sie?"
Fehrsen ignorierte den Mann, so gut es ging und starrte auf den Schirm. "Ortung: Status?", rief er, als er auf die Schnelle keinen Sinn in die sich bewegenden Punkte bekam.

"Voronitsa schwer beschädigt. Acht Requins. 3 Vulkane incoming in 14, 13, 12 - neue Kontakte auf 1-9-5. Delta 17 und 18 sind Tortues 17 und 18."
Noch mehr Schiffe. Verdammt!

********************

Allards Finger flogen über die Navigationskontrollen und die Wera USA Barnaby nahm Fahrt auf.
"Schatz", sagte Allard und sah Jeanne ernst an. "Bist du SICHER, das wir das tun sollen?"
Sie zwinkerte ihm zu - auf ihre eigene, ganz besondere Weise. Sie hob dabei immer ein wenig den Kopf und zog vorher die Augenbrauen fragend hoch, während ein schelmisches Grinsen ihre Lippen umspielte, als wollte sie fragen: Misstraust du mir?

"Liebling, ich war mir selten bei etwas in meinem Leben so sicher. Dort draußen sterben Arbiträer - meine Leute. Wir müssen etwas dagegen tun."
Allard nickte schwach und versuchte zu Lächeln, während er den Kloß in seinem Hals herunterschluckte. Sie waren dabei, in einen Kampf überschwerer Kriegsschiffe einzugreifen, die sich mit Torpedos und Geschützen beharkten, die die Barnaby sofort in Stücke reißen würden. Er hatte die Wahl. Er kannte dieses Gefühl, am Scheidepunkt zu stehen und sich entscheiden zu müssen. Wie immer war es eine Frage von Sicherheit oder Risiko.
Er war mit Jeanne auf Risiko gegangen und hatte Glück gehabt. Seine Frau war in diesen Fragen immer schnell bei der Sache. Als ehemalige Kampfpilotin liebte sie das Risiko geradezu. Allard dachte anders. Wem war es wichtig, was er hier tat? Wen hatte es zu interessieren, so lange er mit dem Leben davon kam? So lange sie mit ihrer beider Leben davonkamen?

Allard wusste es. Es interessierte ihn. Die Entscheidung, nicht einzugreifen, würde ein Leben lang auf seiner Seele brennen, die quälende Erinnerung an eine Möglichkeit, die man nie ergriffen hatte, die hoch brodelte, wenn das Alter die Ausreden von damals mit seinem Gewicht erdrückte.
Das wollte er nicht ertragen. Er wollte etwas tun. Oder was es doch nur der Drang, Jeanne nicht zu enttäuschen? Was wollte er?
Sie nahm ihm die Entscheidung ab.
"Requins-Geschwader - dürfen wir uns ihnen anschließen?"

Schlacht um Stawa (Teil 4)

"Delta 19 ist Wera 19, ziviles Schiff wurde Groschni. 2 Vulkane in 8, 7, 6... 1 Vulkan in 5, 4, 3... CM-Tom..."
Die Wera kam der Seeruh zu nah. Im selben Moment, wo der Vulkan die eine Hydra vom Rumpf des Beschützers riss, fraßen sich die kreischenden Heuler der anderen in den stählernen Leib und durchschnitten ihn wie Algencreme.
"Die Feindesschreck meldet Sturm auf die Brücke", verkündete die Kommunikation.
"Feuer frei aus allen Rohren", befahl Fehrsen und nur Augenblicke danach sausten sternförmig Torpedos auf die Requins, die angeschlagene Voronitsa und die Wera zu.

********************

"Rein da, rein da, rein da!" Pjeter brüllte die Seemänner an, die über den Gittersteg hasteten. Ein Ladekran schwang einen Sixpack Torpedos über ihren Köpfen zu den vorderen Ladeluken.
"Beeilung, Männer! Da draußen sterben Stawaner! Und Städter! Das sind gleich zwei Gründe, um den Arsch wackeln zu lassen!"
Wer konnte auch mit so was rechnen. Bei seinem ersten Landurlaub seit Monaten fiel es dem BFS ein, Stawatycze anzugreifen.
Ein Soldat hüpfte auf ihn zu, versuchte, die halb angezogene Uniform im vollen Laufschritt zu schließen. Er stolperte am Schott und krachte ins Innere der Voronitsa-Klasse DS Victor Ljevzenko, rappelte sich jedoch gleich wieder auf und rannte weiter.

Über sein Funkgerät meldete sich die Brücke: "Bozman Rudovig. Wann sind sie bereit?"
Pjeter stand auf Zehenspitzen und überblickte das nahe Ende der Schlange.
"Jetzt!"
"Aye."
Pjeter ging als letzter hinein. Er legte den Hebel im Inneren um und zwei Motoren schlossen das schwere Schott mit einem Zischen.
"Brücke für Bozman Rudovig. Vorne sind alle an Bord", gab er durch, während er zum Maschinenraum stürzte.
"Aye, verstanden."
Einen Augenblick später wurde der Gang in rotes Licht getaucht, und die Alarmsirenen jammerten los.
"Alle Mann auf Gefechtsstation. Fertig machen zum Tauchen", tönte es aus den Lautsprechern. Die DS Victor Ljevzenko setzte sich in Bewegung.

********************

Neuer Kontakt auf 0-0-9, Sierra 20, plus 65 bei 6 km/h steigend, ist Voronitsa 20." Die Angst war dem Mann an der Ortung deutlich anzuhören. Fehrsen zuckte zusammen. Einer weiteren Voronitsa waren sie nicht gewachsen! Es war Glück gewesen, dass die erste, die mittlerweile auf den Grund des Meeres sank, offensichtlich ihre Typ VI Bänke schon leergeschossen gehabt hatte. Einem voll bewaffneten Schiff dieser Klasse hatten sie nichts mehr entgegen zu setzen.

"CM nachladen", befahl er.
"Fehrsen", rief Schneider und hielt ihm einen Schlüssel unter die Nase. Der Kapitän zögerte einen Augenblick, dann griff er unter sein Uniformhemd und zog einen ähnlichen Schlüssel an einer Eisenkette hervor. Gemeinsam traten sie an eine in den Stahlrumpf der Ortungskonsole eingelassene Klappe und drehten die Schlüssel gemeinsam um. Im Inneren lag ein schmuckloser Umschlag. Er enthielt die Anweisungen für den Notfall, wenn eine Niederlage unabdingbar erschien. In Munders einfachen, schmucklosen Buchstaben standen dort nur drei Worte. Schneider riss dem Kapitän den Zettel aus den zitternden Händen, als der wie eingefroren dort stand. Er las die Worte, mehrmals, dann ließ er den Zettel lächelnd fallen.
"Höllenhai laden!", befahl der Agent und klang fast gut gelaunt dabei.

Der Waffenleitoffizier schaute Fehrsen mit großen Augen an. Der Kapitän nickte einmal stumm. Zu mehr hatte er nicht die Kraft.
"Voronitsa auf Abfangkurs", meldete die Ortung.
"Höllenhai ge... geladen", sagte der Waffenleitoffizier mit zitternder Stimme.
"Die Brücke der Feindesschreck antwortet nicht mehr."
Kapitän Fehrsen trat einen schwankenden Schritt zurück und sein Blick wanderte auf den am Boden liegenden Zettel, auf dem stand: "Höllenhai auf Stawatycze"

********************

"Baby-Wal out"
"...Beschützer...angeschlagen...neu...Tom, Munition...."
Kevin saß auf seinem Regiestuhl in der Mitte des riesigen Frachtraumes des Tyngddjur, der im Hafenbecken schwamm, und lauschte den Durchsagen des Kampfes, der draußen tobte. Um ihn herum war seine gesamte Crew und eine unüberschaubare Menge Besatzungsmitglieder versammelt und starrte auf die in den Ecken hängenden Lautsprecher wie auf ein Kind, das gerade versuchte, seine ersten Worte zu stammeln.

Dass er bei den Dreharbeiten in einen Krieg verwickelt werden würde - das faszinierte ihn, gleichwie es ihn ängstigte. In seinem Kopf formten sich Ideen zu den Geschehnissen, die dort draußen stattfanden: Enterkämpfer, die sich schützend vor ihre Kameraden warfen oder mit einem Messer im Rücken und zahlreichen Schussverletzungen eine Schleuse verteidigten; Schiffe, die ein Stakkato aus Geschossen in die kalte Dunkelheit des Meeres entließen, um den Feind zu brechen...

Gleichzeitig haderte er mit seiner Moral, die ihm eintrichtern wollte, dass es nicht recht sei, angesichts solcher Schrecknisse an filmische Umsetzungen zu denken. Aber er war so verdammt nah dran. Außerdem sah es nicht schlecht aus für die Stawaner.
Anscheinend war einer der Beschützer bereits gesunken. Er sah in Tauchanzügen fliehende Männer, zerplatzende Köpfe, vollaufende Quartiere, Seemänner im Todeskampf mit dem Wasser...

Elli wimmerte. Sein Kameramann hielt sie im Arm und tätschelte ihren Rücken. Von ihr angesteckt, begann auch Luc, der Beleuchtungsassistent, zu schniefen.
"Oh Mann, Boss, das ist so furchtbar, all die Toten..." Luc wischte sich mit seinem Ärmel übers Gesicht.
Ellis Gewimmer wurde zu einem ausgewachsenen Heulkrampf.
Scheiße. Er konnte nicht zuhören, denken, sich mit seiner eigenen Moral auseinandersetzen UND sich dann noch das Geflenne seiner Filmcrew anhören.
"Luc, reiß dich zusammen. Und würde jemand vielleicht unser Möchtegern-Starlet zum Schweigen bringen? Ich..." kann so nicht arbeiten, hätte er fast hinzugesetzt, als eine glasklare Stimme durch den Frachtraum hallte:
"Hier spricht Kapitän Fehrsen von der SBS Seeruh. Wir haben einen nuklearen Torpedo Typ V geladen und werden ihn beim nächsten Anzeichen einer feindlichen Handlung auf die Stadt Stawatycze abfeuern. Ich wiederhole: Wir werden einen Höllenhai auf Stawatycze abfeuern, wenn wir angegriffen werden."
Kevin starrte auf den Lautsprecher. Höllenhai, dachte er. Die Geschichte wiederholt sich. Dieser kluge Spruch, den er irgendwo irgendwann gehört hatte, echote durch seine Gedanken, als um ihn herum die Hölle losbrach. Alles rannte davon, stieg übereinander, drängelte, fiel hin und schrie in Panik durcheinander.

Bald saß Kevin allein auf seinem Regiestuhl und starrte in die plötzliche Leere des Frachtraumes.
Die Welt hält den Atem an.
Wohin waren alle gerannt? Wohin wollten sie fliehen? Kevin hob die Regieklappe vom Boden auf. Er zündete sich eine Zigarette an.
Klappe, die Letzte.

********************

Rambeaut stieß zischend Luft zwischen den Zähnen aus und bewegte vorsichtig den Steuerknüppel einen Milimeter nach links. Fast unmerklich folgte die USA Femme Fatale und brachte einige Zentimeter mehr zwischen sich und den gewaltigen Rumpf des Beschützers. Das war verdammt knapp gewesen.

Vorsichtig verstärkte Rambeut den Druck seines Fußes gegen das Beschleunigungspedal. Der Antrieb steigerte sein dunkles Brummen. Scheiße, er fühlte sich, als würde er ein Spielzeugschiff an einem Wal vorbei steuern, der nur ein Stück nach links oder rechts gleiten musste, um es zu zertrümmern. Dass er in diesem Schiff saß machte es nicht besser.
Nervös zuckten seine Augen über das HUD und versuchten, etwaige Angreifer auszumachen.
Doch nichts bedrohte ihn. Er fühlte eine seltsame Ruhe in seinen Verstand sickern, während er langsam am backbordseitigen Rumpf des Beschützers entlang glitt. Überall um ihn herum tobte die Schlacht, während hier, im Schatten des Ungetüms, eine düstere Stille herrschte.
Etwas prallte gegen das Cockpit, und Rambeaut verzog vor Schreck das Steuer, als er in die aufgerissenen Augen eines Bundessoldaten starrte. Der Requin trudelte und die Außenhaut kreischte auf, als sie an der schwer gepanzerten Hülle des Beschützers vorbei schrammte. Der Leichnam vollführte eine federleichte Rolle. Seine Beine wallten schwerelos, als der Körper sich überschlug und rechts am Requin vorbei davon trieb. Seine Arme wurde von den Verdrängungen des kleinen Schiffes erfasst und schienen Rambeaut stürmisch hinterher zu winken. Sein Herz raste. Er atmete ein paar Mal tief durch und versuchte, sich wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Vor ihm trieben zerfetzte Hüllenteile, Kisten, Körperteile, die aus dem riesigen Loch in der linken Flanke des Beschützers langsam hinaus geschwemmt wurden. Leichte Einschläge erschütterten den Requin, als Rambeaut versuchte, dem Gröbsten auszuweichen.
Innerlich fluchte er auf das HUD, das jeden Aufprall mit enervierenden Alarmmeldungen quittierte.
Er hatte es fast geschafft. Er sank um minus 20 unter den Beschützer und tauchte langsam auf dessen Steuerbordseite. Über ihm starrte der gezackte untere Teil des Rammsporns. Er nahm Schub weg und drehte langsam den Requin auf den Kopf, während er an Geschwindigkeit verlor. Er presste seine Zunge gegen seinen Mundwinkel, als seine linke Hand über die Armaturen huschte und die Tauchzellen langsam lenzten. Vorsichtig stieg der Requin bäuchlings auf. Rambeaut hing im Sitzgeschirr und schwitzte.
Dann saugte sich die Enterschleuse des kleinen Schiffes über dem verbliebenen, rechten Typ-V-Torpedorohr des Beschützers fest. Küsschen, Monsieur Höllenhai, dachte Rambeaut und grinste dreckig.

Schlacht um Stawa (Teil 5)

"Kapitän, das NOS meldet einen großen Gegenstand unmittelbar vor dem Bugrohr. Ein Requin hat sich dort angesaugt!", sagte die Ortung ungläubig. "Die anderen Requin nähern sich."
Schneider lief zur Höllenhai-Konsole und steckte auch hier seinen Schlüssel in den Mechanismus, der die nukleare Waffe scharf machte. "Bringen Sie es zu Ende, Fehrsen", sagte Schneider mit einem grimmigen Lächeln. Sein Auge zuckte seltsamerweise nicht mehr.
"Handeln Sie einmal wie ein Mann! Sterben Sie stolz!"

Stawische Enterkapseln krachten gegen den Rumpf der Seeruh und fraßen sich fest.
Fehrsen blickte auf die Karte. Sie waren nur noch 1 Steg von Stawatycze entfernt. In dieser Entfernung würde die Detonation des Höllenhais die äußeren Aufbauten und Andockklammern der Stadt wegreißen und kochendes Wasser mehrere Hundert Meter weit in die Stadt pressen. Er hätte Hunderttausende auf dem Gewissen.
"Entertruppen an Bord", meldete die Schiffswacht leise. Alle Augen ruhten auf Fehrsen.
"Auf was warten Sie, Fehrsen? Ihre Befehle sind klar, Ihr Schiff ist wegen ihrer Unfähigkeit verloren. Machen Sie ihre Eltern einmal in Ihrem Leben stolz!" Schneider wies eindringlich auf den roten Knopf.

********************

Vladimir zog den Kopf gerade rechtzeitig hinter einem Schott in Deckung.
Eine Ladung Schrot fetzte knapp an ihm vorbei und schlug in einen seiner Männer ein, der gurgelnd zusammenbrach.
Er tastete an seinem Gürtel nach Munition. Das war schon der dritte Anlauf gewesen. Er erinnerte sich an die Worte seines Ausbilders.
Wenn die Zähne eurer Kapsel sich in den Rumpf des Feindes gegraben haben und eine Öffnung frei geschweißt ist, stürmt ihr los. Ihr nehmt Schott um Schott und arbeitet euch vor. Wenn ihr zu lange Stellung bezieht, sinken eure Chancen. Zögert niemals!

Er küsste das Magazin, rammte es in seinen Quartiersbesen und lud durch. Das Klacken der Waffe befriedigte ihn tief.
Er deutete mit der geballten Faust zu Borek hinüber, der sich hinter einem dicken Rohr an die Wand drückte, und vollführte eine Wurfbewegung.
Borek nickte.
Sein Kamerad zog eine Granate. Der Sicherungsstift klimperte auf dem Gitterboden. Lautlos zählte Borek. Dann beugte er sich aus seiner Deckung und warf. Eine Ladung Schrot verwandelte sein Gesicht in einen Sprühnebel aus Blut und Knochen, bevor er wieder hinter dem Rohr verschwinden konnte. Sein Körper rutschte leblos am Rohr herunter.
Vladimir hörte den Aufprall der Granate auf dem Gitter und gleich darauf den Aufschrei des Feindes.
Zögert niemals.
Als die Blendgranate aufblitze zog er sein Entermesser und stürmte los.
"Angriff, Männer! Stürmt die Brücke!", schrie er, während schlecht gezielte Schrotladungen der sich zurückziehenden Städter an ihm vorbei zischten.

********************

Fehrsen ging mit weichen Knien auf den Schalter zu. Er war für solche Situationen ausgebildet worden, er brauchte nur seinem Training zu folgen. Draußen erklangen laute Stimmen und etwas krachte gegen das versiegelte Schott zur Brücke.
"Sie sind gleich da, Fehrsen!", rief Schneider.
Der Kapitän holte seinen Schlüssel hervor, steckte ihn mit zitternder Hand in das Schloss und drehte ihn um. Er hatte das Gefühl, er müsste sich gleich übergeben. Dann klappte er die Plastikklappe über dem roten Knopf zur Seite und legte den Finger auf den roten Knopf. Schneider klatschte in die Hände, wie ein Kind, das am Tag der Wende erkennt, dass es seine Eltern herumkommandieren darf.
Fehrsen stieß Schneider nach hinten. Der Agent stolperte und fiel auf den Boden.
"Das hier ist meine Aufgabe!", sagte der Kapitän und war überrascht, dass seine Stimme so ruhig klang.

********************

Vladimir wandte sich zu den Arbiträern um, während einer seiner Männer Sprengstoff in die Fugen des Brückenschotts sprühte. Sie hatten den Trupp an einer Gabelung aus der Scheiße geholt, an der fünf bündische Soldaten die Arbiträer in einer Sackgasse festgesetzt hatten.

"Sobald das Schott offen ist gehen wir rein. Wir sichern, ihr stürmt vor."
Vladimir wollte den Fremden nicht die Verantwortung für Flankendeckung überlassen.
Außerdem würden die vorpreschenden Arbiträer ein schönes Überraschungsmoment abgeben. Wenn nicht - Pech gehabt. Sie wollten mit dabei sein, sie würden mit dabei sein. Erste Reihe, Mamuschka.

"Bereit."
Der rosa Schaum klebte wie Kaugummi in den Fugen. Vladimir dirigierte seine Männer in Deckung, gab Anweisungen und hockte sich dann selbst hinter den metallenen Kasten, in dem sich die manuelle Abschottung für dieses Segment befand. Als er sich an die Wand kauerte, berührte seine rechte Seite einen Hebel, der aus der Wand ragte. Ein stechende Schmerz zuckte durch seinen Bauch, und er biss die Zähne zusammen. Einer der Bundessoldaten hatte ihn mit einem üblen Streifschuss erwischt.

Der Sprengstoff explodierte, und einen Moment lang glaubte Vladimir taub zu sein. Sein Kopf fühlte sich an, wie mit einem dicken Handtuch eingewickelt. Dann hörte er das Schott donnernd auf den Boden krachen. Der scharfe Geruch verbrannter Chemikalien lag in der Luft.
Er kam hinter dem Kasten hervor, und seine Männer mit ihm. Halb geduckt hasteten sie zum aufgesprengten Schott und sicherten nach rechts und links. Die Arbiträer stürmten brüllend auf die Brücke, sprangen über die Konsolen und zwangen die Besatzungsmitglieder des Beschützers auf den Boden. Vladimir sah im hinteren Eck der Brücke einen Mann im schwarzen Anzug liegen. Mit einem vor Wut zur Fratze entstellten Gesicht starrte er abwechselnd zu dem Mann, der vor ihm stand, und zu Vladimir und seinen Entertruppen, als könne er nicht entscheiden, wen er mehr verabscheute.

Vladimir betrat die Brücke, und seine Männer folgten ihm.
"Ergeben sie sich. Es ist vorbei.", sagte er zu dem stehenden Mann, den seine Rangabzeichen als Kapitän auswiesen. Er reagierte nicht. Sein Blick ging ins Nichts. Da entdeckte Vladimir den roten Knopf, auf dem die Hand des Kapitäns ruhte. Tausend Eisbrocken krachten aus seinem Hirn und rumpelten schneidend seinen Rücken hinab.
In seinem Kopf tosten Gedankenwellen umeinander, als er versuchte, die Situation zu bewerten und eine Taktik zu entwickeln. Er war nicht für Verhandlungen ausgebildet. Eine falsche Geste, ein falsches Wort konnte die nukleare Vernichtung Stawatyczes bedeuten, der Tod hunderttausender Menschen durch einen einzigen Knopfdruck. Und er war der winzige Spielraum unter der Hand des bündischen Kapitäns. Vladimir senkte seine Schrotflinte.

Sein Mund war staubtrocken. Seine Männer und die Besatzungsmitglieder des Beschützers hatten innegehalten und beobachteten ihren Anführer, ihren Kapitän. Das Duell zwischen ihnen würde die Entscheidung bringen.

"Hören Sie", sagte er und leckte sich über die Lippen. Vladimir sah den Schweiß auf der Stirn des Kapitäns. War er etwa aufgeregt? Er hätte schon längst abdrücken können...
"Sie haben die Wahl, Kapitän." Er versuchte, ruhig zu wirken. "Es liegt in Ihren Händen.
Sie bestimmen den Ausgang der Schlacht. Hunderttausende, sinnlos verschwendete Leben, die niemandem nutzen - oder ein Ende, hier und jetzt."
Er zog eine Zigarette aus seiner Brusttasche und steckte sie sich an. Seine Hände bebten.
Unbeholfen lässig lehnte er sich an eine der Konsolen und atmete blauen Dunst aus.
"Haben sie Familie, Kapitän?" Keine Antwort.
"Ich habe Familie - nicht hier in Stawatycze. Sie machen Urlaub bei einer Tante in Lod. Monarchische Terroranschläge, der Krieg - sie wissen schon."
Er nahm einen weiteren, tiefen Zug.
"Kapitän - haben Sie Kinder? Sie haben, wette ich. Väter denken in manchen Dingen gleich, wissen Sie? Zum Beispiel wollen alle Väter, dass ihre Kinder Stolz auf sie sind."
Er warf die Zigarette auf den Boden und straffte sich.
"Was werden Ihre Kinder sagen, Kapitän? Wer werden Sie für ihre Kinder sein?
Werden Sie der Mann sein, der eine Stadt vernichtete, Unmengen Unschuldiger in den Tod riss und damit einen Krieg in Gang setzte, der noch mehr Menschen das Leben kostete - oder werden Sie der Mann sein, der das verhinderte?"

********************

Fehrsen blinzelte den Schweiß weg, der ihm in die Augen lief. Er dachte an seinen Bruder, an seine Mutter, an seinen Vater. An die Familien seiner Freunde. Wenn er jetzt aufgab, hätte er bewiesen, dass der Bund zu schwach war, um seine Interessen zu vertreten. Er hätte versagt, hätte gezeigt, dass man einen Fehrsen nicht mit einer wichtigen Mission betrauen konnte.
Doch wenn er den Höllenhai zündete, würde es Krieg geben. Einen Krieg, der unerbittlich und ohne Gnade geführt würde, der Unzählige in den Ruin oder ins Grab bringen würde. Munder würde nicht zögern, weitere Höllenhaie einzusetzen, der RDL zerbräche... konnte er all das auf seine Schultern laden?

Langsam hob er die Hand vom Knopf und machte einen Schritt nach hinten. Die Entertruppen kamen langsam auf ihn zu. Da sprang Schneider vor, ließ die Hand auf den Knopf knallen und... nichts passierte. Fehrsen starrte auf den Schlüssel an der langen Kette in seiner Hand, die er in letzter Sekunde aus dem Zündmechanismus gezogen hatte. Dann wandte er sich ab und übergab sich, während Agent Schneider von den Entertruppen auf den Boden geprügelt wurde.

Die Nachricht

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Mirko Beine

Es war prachtvoll. Welle um Welle monarchischer Schiffe umschwirrten die vereinten Flotten von Union und Stawa und wurden im Kreuzfeuer der wohl postierten Streitkräfte einfach zerlegt. Keine taktischen Finessen, keine Formation, keine Disziplin. Sie hatten keine Chance, und Flottakommandoer Olskin genoss dieses Erlebnis. Sein kalter, präziser Verstand schwebte auf der Welle des mühelosen Erfolges. Mit seinen Augen selektierte er die einzelnen Kampfherde, die als dreidimensionale Muster über den Gefechtsschirm auf der Brücke des Gengäldars SUS Thyrfing tobten. Er schnitt die verstreuten Vernichtungsorgien heraus wie ein akkurater Chirurg, führte sie sich langsam zu und verkostete sie in der triumphalen Kälte seiner messerscharfen Gedanken: Zwei Schwertfische, die durch ein kurzsichtiges und blamabel ausgeführtes Rammmanöver ins Leere stießen und vom Orca DS Radigast, den sie gerade noch attackiert hatten, mit Geschützen beschossen wurden.
Ein Rudel monarchischer Schiffe, Seehechte, Weras und solche, deren Typ durch Modifikationen und typungerechte Reparaturen nicht mehr eindeutig identifizierbar war, schwamm als ungelenker Pulk umher und wurde von mehreren Vakten mit gleichmäßigen Torpedowellen gepeinigt. Durch ihren zu geringen Abstand untereinander fehlte ihnen die nötige Manövrierfähigkeit, um den heranrasenden Flossen effektiv ausweichen zu können. Tapsig und unbeholfen versuchten sie, auf die von allen Seiten auf sie zustürmende Bedrohung zu reagieren und verstrickten sich nur noch mehr ineinander. Nein, es war nicht nur prachtvoll. Es war fantastisch. Olskin fühlte sich wie ein Gott.
Der einzige Störfaktor in seinem Paradies waren die beiden Geschwader Requin. Wie kleine, feige Raubfische umkreisten sie die größeren Schiffe der Flotte, schwirrten umher und störten scheinbar allüberall den sorgsam aufgebauten Plan Olskins. Freilich in nicht allzu ernster Art und Weise - doch es hatte bisher gereicht, um drei Vakten so stark zu beschädigen, das Olskin ihnen bedauerlicherweise den Rückzug befehlen musste. Es war Zeit, etwas gegen die Plage zu unternehmen. Etwas widerwillig wandte er sich von den wunderbaren Ereignissen auf dem Gefechtsschirm ab.
"Kurs 0-6-0 plus 40" befahl er. "Langsam steigen lassen. Die DS Danielshammer soll auf Kurs 3-1-0 plus 80 gehen."
Der Soldat an der Navigation stutzte: "Flottakommandoer - damit entfernen wir uns beträchtlich vom Hauptgeschehen..."
Olskin versteifte sich und wandte sich langsam zur Navigation um. Seine Augen waren starr geradeaus gerichtet und blitzten unter seinen Brauen hervor, den Soldaten nicht einmal eines Blickes würdigend. Die Haut schien sich über seine Wangenknochen zu spannen, als müssten sie Olskins Wut zusätzlich im Zaum halten.
"Kurs 0. 6. 0. Plus 40. Jetzt."
"J-ja Sir. Kurs 0-6-0, steigen auf plus 40. Langsam steigen!", setzte er schnell hinzu, schluckte und machte sich übereifrig an die Umsetzung der Befehle.
"Die Danielshammer bestätigt. Kurs liegt an, sie steigt."
Olskin betrachtete seine Hände und korrigierte den Sitz der engen Handschuhe. Als alles zu seiner Zufriedenheit war, verschränkte er sie vorsichtig vor seinem Bauch.
Die Ortung meldete sich: "Flottakommandoer - die Requin nehmen die Danielshammer unter Beschuss!"
Perfekt. Ein kaltes Lächeln stahl sich auf Olskins Züge. Die Falle war zugeschnappt. Die Requin befanden sich im Schusswinkel dreier der fünf Vierlings-Geschütze der Thyrfing.
"Backbord- und obere Geschütze: Feuer frei."
Donnernd begannen die Rohre zu feuern. Das grausame Kreischen der Geschosse klang nur gedämpft an Olskins Ohren, dennoch war es für ihn die schönste, von der fehlerlosen Brillanz des Geschützcomputers komponierte Sinfonie. Acht Requin wurden von den durch Wahrscheinlichkeitsberechnung unterstützen Salven zerfetzt, bevor sie die Falle bemerkten und sich fürs erste zurückzogen, um sich neu zu formieren.
Olskin schmeckte den Sieg auf den Lippen. Es war Zeit, das Netz einzuholen.
"Sinken auf minus 30. Backbord-, Steuerbord- und untere Geschütze: Feuer frei auf jeden Feind in Reichweite."
Olskin trat wieder vor den Gefechtsschirm, während die Thyrfing sich wie das Schwert, nach dem sie benannt war, in den Gegner senkte.
"Flottakommandoer", riss ihn die Ortung aus einen Gedanken.
"Ich empfange das Notsignal eines Vakten, bei 0-9-1, minus 252. Es ist die SUS Istroll."
Olskin runzelte die Stirn. Istroll. Dieses Schiff gehörte zu keiner der bei den Quartieren kämpfenden Flotten.
Der Soldat an der Kommunikation lauschte aufmerksam seinem Headset.
"Sie nehmen Kontakt auf, Flottakommandoer. Ich stelle es auf die Brückenanlage..."
Die deutlich aufgeregte Stimme eines Mannes ertönte:
"...icht Komandor Völsegard von der SUS Istroll. Wir wurden an der Grenze von drei Schiffen der Beschützer-Klasse überfallen, die sich vermutlich auf Kurs nach Stawatycze befinden. Unser Antrieb ist ausgefallen. Wir treiben. Erbitten ihre Hilfe, SUS Thyrfing."
Olskin vergaß alle Beherrschung. Seine Kinnlade klappte herunter. Drei Beschützer hatten die Grenze überquert, und dieser lädierte Vakten mit ausgefallenem Antrieb brachte ihnen die Nachricht...
Er besann sich rechtzeitig, bevor er zu sprechen begann. Mit gewohnt emotionsloser Stimme fragte er: "Hier spricht Flottakommandoer Olskin. Wie viele Stunden sind seit dem Kontakt mit den Beschützern vergangen?"
"Ungefähr sieben. Vor etwa anderthalb Stunden ist unser Antrieb ausgefallen."
Sieben Stunden. Olskin musste handeln. Es blieb keine Zeit.
"Kampf abbrechen!", befahl er zähneknirschend. Dies hätte der größte militärische Triumph seiner Karriere werden können...
"Die Vakten nehmen sofort den schnellsten Kurs auf Stawatycze. Instruieren sie die Kommandoeren entsprechend, Kommunikation. Die restlichen Schiffe sollen sich um uns formieren. Wir decken den Rückzug."
"Aye."
Olskin hätte schreien mögen. Nichts wäre ihm lieber gewesen, als die Thyrfing nach Stawatycze zu bringen und den Feind selbst vernichten zu dürfen. Doch er wusste um die beiden Voronitsa-Klassen, die vor der stawischen Hauptstadt lagen. Außerdem genügte die Geschwindigkeit der Vakten, um die Nachricht rechtzeitig zu überbringen. Er durfte den Gengäldar nicht aus diesem Gebiet abziehen. Die Bedrohung für die Monarchier musste aufrechterhalten werden.
Das Vakten-Geschwader bestätigte die Befehle und schoss davon.
Olskin beobachtete den Gefechtsschirm und erwartete den Gegenangriff der Monarchier.
Doch der blieb aus. Nur die verbliebenen sechzehn von ehemals dreißig Requins rotteten sich zusammen. Olskin erwartete schon einen selbstmörderischen Angriff des Geschwaders, und seine Stimmung begann sich wieder etwas zu heben - doch dann fuhren die kleinen Schiffe in die Dunkelheit des Meeres davon.

Der Notruf der Istroll war nicht nur von der Stawa-Unions-Flotte gehört worden. Das Ziel der Requins war Stawatycze.

11 Stunden, 45 Minuten

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von André Wiesler

Kapitän Fehrsen blickte auf den großen Bildschirm, der halbdurchsichtig mitten auf der weiträumigen Brücke seines Beschützers gespannt war. Die SBS Seeruh war ein Schiff der modernen Baureihen. Das konnte man von den beiden anderen Beschützern seiner Flotte nicht behaupten. Seine Augen hatten sich an dem Punkt der virtuellen Karte des Schiffscomputers festgefressen, an dem der Vakten des Gegners aus ihrer Sonarreichweite verschwunden war.
"SBS Feindesschreck meldet keine Beschädigungen, SBS Grenzwacht wurde getroffen, minimale Schäden", meldete der Kommunikationsoffizier. Fehrsen nahm es mit einem Nicken zur Kenntnis.
"Es ist nicht erfreulich, dass dieses Schiff entkommen ist", sagte Agent Schneider und sein rechtes Auge zuckte einige Male unkontrolliert. Das tat es immer, wenn der hochdekorierte Feld-GeSiDi sich nur schwer unter Kontrolle hielt. Fehrsen schaute ihn lange an, aber als Schneider seinen Blick fixierte, wandte er sich ab. Der Kapitän hatte schon mehrfach das Pech gehabt, Schneider als Schiffsbegleiter für staatliche Fragen bei seinen Fahrten an Bord zu haben, und wusste, dass man ihn besser nicht über die feine Linie zwischen scheinbarer Ruhe und offensichtlicher Tobsucht trieb.
"Ein bedauerlicher Zufall", sagte Fehrsen. "Man kann eben nicht alle Flottenbewegungen des Feindes vorausahnen."
"Wohl eher ein verachtenswertes Versagen", schnappte Schneider. "Ich möchte den Verantwortlichen dafür sprechen!"
Der Kapitän schaute den Agenten nicht an, als er sagte: "Der sitzt im Vakten."
Schneider ging um den erhöhten Kapitänssessel herum und stützte sich auf der Lehne ab, um seinen Mund ganz nah an Fehrsens Ohr zu bringen: "Wenn ihnen nach Scherzen ist, mein Lieber, dann kenne ich da einen ganz hervorragenden: Wenn Sie diese Mission versauen, werde ich dafür sorgen, dass ihre Familienmitglieder als Reinigungskräfte in den Klonquartieren eingesetzt werden."
Fehrsen knirschte mit den Zähnen, sagte aber nichts dazu. Er würde dem Kerl nicht die Genugtuung eines Wortgefechtes geben. Zudem wollte er nicht, dass seine Crew erkannte, wie die Machtverhältnisse an Bord wirklich standen. Schneider war ein persönlicher Vertrauter des Präsidenten und mochte der auch unter noch so dubiosen Umständen an die Macht gelangt sein, er war der Befehlshaber der Armee und Fehrsen war Soldat - also würde er gehorchen.
Außerdem war es nicht zu tolerieren, dass friedliche städtische Schiffe auf ziviler Hilfsmission von übereifrigen stawischen Quartiersbengeln abgeschossen wurden. Es musste eine eindeutige Botschaft überbracht werden, und das war ihre Aufgabe.
"Haben wir uns verstanden?", fragte Schneider, während er sich wieder aufrichtete und sein Hemd glatt zog.
Fehrsen antwortete nicht, stattdessen erhob er sich und trat an die Karte. "Zeit bis Stawatycze?"
"Bei momentaner Geschwindigkeit 15 Stunden, 46 Minuten", antwortete die ältere Frau an der Navigation.
"Erhöhen auf 40, Kurz ändern auf 0-3-5, minus 320", befahl er.
"Aye, Aye, Geschwindigkeit 40, Kurs 0-3-5, sinken auf 800 Meter."
Das Schiff neigte sich einige Grad über Bug und wurde schneller - Fehrsen konnte am Vibrieren der Bodengitter spüren, dass man den Antrieb jetzt aus seinem Standardeinsatzbereich getrieben hatte. Im Maschinenraum würden einige rote Lampen aufleuchten, aber das war egal. Sie hatten den Überraschungsvorteil verspielt, jetzt mussten sie sich in Position bringen, bevor es zu spät war.
"Kurs 0-3-5 liegt an, neue Tiefe 800 Meter", bestätigte einer der beiden Piloten.
"Zeit bis zum Ziel?"
"11 Stunden, 45 Minuten."
Fehrsen nickte. Ein Klonarbeitstag noch, dann würde sich entscheiden, wie viel Einfluss der Bund im Rat der Länder wirklich hatte, wie viel Respekt man ihm entgegenbrachte. Und wie viel drei Beschützer wert waren, wenn sie gegen eine geeinte Flotte aus Stawa und der Union standen.

Die Ruhe...

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Mirko Beine

Wankowitsch kontrollierte zum sechsten Mal innerhalb der letzten halben Stunde die Ortungsinstrumente. Zum sechsten Mal fand er nichts. Nichts außer einigen Fischschwärmen, Gebirgsformationen und den zwei Vakten - Begleitschiffen des Orcas.
Das Sonar pulsierte im Rhythmus des grünen Taststreifens und empfing keine ungewöhnliche Reflektion. Der Poruznyk streckte seine steifen Glieder, bog den Rücken durch und gähnte ausgiebig und durchaus ordinär.
"Nichts zu sehen, Komandor Varic."
Er drehte sich im ungepolsterten, vor der Ortungsstation verankerten Sitz um.
"Immer noch nichts. Komandor - bleiben Sie ruhig. Ich informiere Sie, sobald irgendwas auf dem Sonar auftaucht. Momentan gibt's da draußen nichts außer Fisch und Wasser."
Der Komandor reckte den Kopf in seine Richtung und schob langsam das rundliche Kinn vor:
"Poruznyk Wankowitsch - alle Grenzeinheiten wurden seit dem Abschuss des BFS-Schmugglers in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Das bedeutet: regelmäßiges Abtasten des Patrouillengebietes. Nein - wir können uns wirklich keine Nachlässigkeit erlauben."
Varic nickte, als bestätige er seine Worte vor sich selbst.
"Erneuter Statusbericht in...", Komandor Varic sah auf seine Uhr, "dreieinhalb Minuten."
"Aye, aye, Komandor", seufzte Wankwowitsch und schielte hinüber zur Kommunikation.
Tadijin lugte hinter seinem Sitz hervor, presste die Hände auf die riesigen Kopfhörer, die seine Ohren zu beiden Seiten bedeckten, und äffte stumm den Komandor nach.
Nöhl-nöhl-nöhl.

...vor dem Sturm

+++FORTSETZUNG+++

Wankowitsch grinste und tarnte sein Kichern mit einem schlecht gespielten Hustenanfall.
Wie auf Kommando raunzte Varic: "Tadijin! Bericht!"
Wankowitsch zuckte zurück hinter seinen Sitz. Tadijin rief die Begleitschiffe und meldete "OK" von den flankierenden Vakten.
Dieser Varic war nicht auszuhalten. Irgendein paar Idioten beim Oberkommando hatten entschieden, dass "in Anbetracht der neuen Situation die Flotte neu organisiert werden muss.
Deshalb werden Sie, Poruznyk SJ Milan Wankowitsch, auf den Orca DS Barbaras Wacht versetzt und ihren Dienst an der Grenze tun."
Neu organisieren. Wankowitsch schnaubte verächtlich. Das Oberkommando hatte lediglich die moderneren Schiffe der Grenzposten mit jungen Soldaten besetzt und sie in die Hauptflotte integriert. Alle älteren Kähne - Menschen und Schiffe, wie Wankowitsch, Tadijin und der Orca DS Barbaras Wacht, waren an die Grenze verschoben worden. Aber gut - wer beim Militär war, der musste loslassen können. Es wurde immer versetzt, befördert, gestorben. Wankowitsch vermisste seine Kameraden von der Voronitsa-KlasseDS Victor Ljevtzenko nicht allzu sehr - dafür war er mit seinen einundfünfzig Jahren zu lange im Dienst. Aber er vermisste seinen Komandor.
Strenzky war beileibe kein netter Kerl gewesen, und wer ihn einen Despot genannt hätte, wäre nur unwesentlich übers Ziel hinaus geschossen. Aber Strenzky hatte seinen Männern vertraut, war für sie eingestanden. Und er hatte sie natürlich auch gefordert.
Wankowitsch starrte auf den algengrünen Ortungsschirm. Ihre Umgebung war als Koordinatensystem dargestellt, in dem die "Barbaras Wacht" den Nullpunkt bildete. Zwei rote Linien markierten als zum Mittelpunkt zulaufendes Dreieck den Bug des Orcas. Die zwei flankierenden Vakten erschienen als lilafarbene Konstrukte, die halbwegs ihre reale Form wiedergaben. Ein gelbes Lämpchen neben dem Bildschirm leuchtete im Takt des Sonarsimpulses. Wankowitschs resignierte Arbeitsmoral ließ sich leicht davon gefangen nehmen: an-aus, an-aus, an-aus, an...
"Komandor, die SUS Istroll meldet, dass sie was auf dem Sonar haben..."
Tadijin stutzte: "Sie sagen, es nähert sich von jenseits der Grenze! Drei Kontakte, schnell näher kommend!"
Mit einem Schlag war Wankowitsch hellwach.
"Ortung - können Sie den Kontakt bestätigen?"
Varics Stimme klang laut und fest, doch Wankowitsch hörte einen verkrampften Unterton darin.
Unroutiniert, dachte er, schob den Gedanken jedoch sofort zur Seite.
Das gelbe Lämpchen pulsierte. Ein Mal. Zwei Mal..
Dann schoben sich drei blaue, geometrische Strukturen vom rechten Rand der Anzeige ins Bild.
"Bestätigung, Komador. Sierra-1 bis 3 auf 0-5-1, schnell näher kommend, ungefähr 43 km/h."
"Wann werden sie die Grenze überschreiten?"
"Bei gleich bleibender Geschwindigkeit - in etwa zehn Minuten."
Varic schluckte.
"Navigation - gehen sie auf Abfangkurs, ungefähr einen Kilometer vor der Grenze."
"Aye, aye, Komandor."
"Kommunikation - geben sie den Befehl an die Flanken weiter."
"Jawohl!"
Der Komandor zögerte.
"Bordgeschütze bereit machen und Torpedorohre laden."
"Aye, Komandor."
Die Barbaras Wacht wendete.
Waren das wirklich Bundesschiffe?Wankowitsch hielt es für unwahrscheinlich. Praktisch drei Viertel der Unionsflotte bewegten sich derzeit in stawischen Gewässern. Konnte Munder so dumm sein? Die drei Objekte auf dem VASI-Schirm bewegten sich langsam zum linken Rand, während die Barbaras Wachtdas Wendemanöver ausführte und auf den neuen Zielpunkt zuhielt. Auf der Brücke herrschte Stille. Würden die kommenden Minuten Kampf oder Entspannung bringen?
Wankowitsch persönlich war es egal - er war Soldat geworden, um zu kämpfen, zu töten und wusste, dass meistens das Glück dafür zuständig war, ob man vielleicht selbst getötet wurde. Er war allein. Nur entfernte Verwandte - eine Großcousine und ihr Mann, die sich in Logika ein Eigentumsquartier gekauft hatten.
Aber Tadijin hatte Familie. Wankowitsch gestattete sich einen Blick hinüber.
Tadijin saß ruhig in seinem Sitz und lauschte auf eventuelle Funksprüche. Alle Gruppenführer auf der Brücke waren konzentriert. Nur Varic - der war leichenblass. Seine Finger krampften sich in die Armlehnen seines Kommandositzes.
Scheiße, dachte Wankowitsch. Der kann nicht viele Feindbegegnungen hinter sich haben.
Tadijin meldete sich: "Kommandor. Der Kapitän der SUS Valhall meldet, dass sie die Signatur der Schiffe identifizieren konnte."
Varic schluckte.
"Was für Schiffe sind es?"
"Sir - es sind Beschützer."
Im gleichen Moment wechselten die Sierra-Nummerierungen auf Wankowitschs VASI und versahen die Objekte mit Identität: SBS Feindesschreck. SBS Seeruh. SBS Grenzwacht.
Varic schnappte nach Luft, und ein Raunen ging über die Brücke.
Beschützer. Heilige-Scheiß-Barbara. Wankowitsch wägte die Chancen ab. Nein. Sollten die Bundesschiffe wirklich auf Kampf aus sein, hätte der Orca mit seinen Begleitschiffen keine Chance.
"Sir, sollen wir fliehen?" Steuermann Jurek blickte erwartungsvoll zum Komandor.
"Alle Schiffe unserer Patrouille sind um ein vielfaches schneller als die Beschützer. Wir können uns mit denen auf keinen Kampf einlassen!"
"Kurs auf Abfangposition beibehalten", antwortete Varic blechern.
Er stand auf und straffte sich.
"Wir werden sie erwarten. Die können nicht wirklich die Grenze überqueren wollen. Das würde..." Varic ließ den Rest unausgesprochen. Doch jeder auf der Brücke wusste, was er meinte.
Das würde Krieg bedeuten.
"Komandor! Wir haben die Abfangposition erreicht. Die Valhall und die Istroll haben sich ebenfalls positioniert."
"Zeit bis zum Kontakt?"
"Vier Minuten."
"Gut. Kommunikation -öffnen sie eine Verbindung."
Tadijin drückte Knöpfe und drehte Regler.
"Offen, Komandor."
Es dauerte einige Sekunden, bevor Varic zu Sprechen begann. Wankowitsch sah, wie er sich die Handflächen an der Uniformhose abwischte und dann nervös an seinen Fingern herum bog.
"Hier spricht Komandor Varic von der Orca-Klasse DS Barbaras Wacht. Ich muss sie darauf aufmerksam machen, dass sie sich fälschlicherweise auf Kurs in stawische Hoheitsgewässer befinden. Wir sind über ihre Ankunft nicht unterrichtet und müssen sie deshalb ersuchen, sofort umzukehren."
Wie schon zuvor, nickte Varic sich selbst zu. Er sah zu Tadijin hinüber. Die Sekunden tropften.
"Keine Antwort, Komandor."
Varics Augen weiteten sich, und kalter Schweiß trat auf seine Stirn.
"Bundesschiffe - sie sind im Begriff, in stawisches Gebiet einzudringen! Bitte überprüfen sie ihre Navigationsdaten sicher handelt es sich lediglich um - "
Wankowitsch erstarrte, als mehrere Objekte auf dem Sonar auftauchten und das VASI die neuen Punkte mit klingenden Pings und rotem Warnleuchten identifizierte.
"Sie haben Torpedos abgefeuert! Die Städterschweine schießen auf uns! Sechs Vulkane incoming!"
"Was..."
Varic war wie zur Eissäule erstarrt.
"Komandor, Befehle!", schrie Jurek.
"Sollen wir ausweichen? Sollen wir CMs abwerfen?"
Varic rührte sich nicht. Er stand mit offenem Mund auf der Brücke und starrte entrückt ins Leere.
"Scheiße", brüllte Wankowitsch.
"Jurek - weichen sie aus, und hauen Sie ins Meer, was wir an Countermeasures haben! Dann beschleunigen Sie und bringen uns von den verdammten Beschützern weg!"
Jurek sah Wankowitsch an, dann den regungslosen Komandor.
Schließlich nickte er: "Jawohl, Sir."
"Tadijin - die Valhall und die Istroll sollen fliehen - sofort. Sie sind jetzt für sich selbst verantwortlich."
"Aye aye."
Der Orca schnellte ruckartig nach oben, als Jurek die Tauchzellen lenzte. Wankowitsch wurde in den Sitz gedrückt. In seinen Ohren dröhnte das Pingen einer ganzen Torpedo-Armada, als die Beschützer sechs weitere Typ-V auf sie abfeuerten. Dann schlugen die Torpedos der ersten Welle ein. Die Brücke erzitterte, als die zerstörerische Kraft dreier Sprengköpfe sich an der Barbaras Wacht entlud. Wankowitsch wurde durchgeschüttelt. Die Hülle jaulte unter der Belastung.
"Bericht", brüllte er.
"Die Navigationssysteme sind ausgefallen", schrie Jurek verzweifelt und hastete mit den Fingern über die leblosen Armaturen.
"Alles tot! Ich kann nicht mehr steuern! Und wir haben einen Hüllendurchbruch am Bug. Wir laufen voll!"
"Segmente abschotten! Tadijin! Die Vakten?"
"Die Valhall meldet sich nicht, Sir. Die Istroll hat was am Heck abbekommen, ist aber noch fahrtüchtig. Sie flieht."
Wankowitsch warf einen Blick auf das Sonar. Die Valhall war nicht mehr zu sehen - die gewaltigen Torpedos hatten das Schiff zerrissen, und nur noch die Überreste des Rumpfes reflektierten den Taststrahl. Die Istroll floh und beschleunigte zusehends.
Gut. Er sah die zweite Welle näher kommen. In wenigen Sekunden würden sie einschlagen. Vier steuerten auf den Orca zu, zwei rasten dem fliehenden Vakten hinterher.
Das VASI pingte hektisch, und auf dem Display lief der Zähler rückwärts:
Einschlag in fünf, vier, drei, zwei...
Wankowitsch schloss die Augen..hörte nur noch die Explosionen...
...dann war es vorbei.

Im Schmausheim

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von André Wiesler

Munder warf sich lachend auf seinem Stuhl zurück und zwang so den schmächtigen Kellner in eine hastige Ausweichbewegung. Mit einem wenig eleganten, aber geübten Schlenker brachte er das Rindersteak an Algen-Creme-Pastete auf Sojasprossen in Sicherheit und es gelang ihm sogar, das aus dem nur kurz angebratenen Stück Fleisch gelaufene Blut auf dem Teller zu halten. Den Schwung nutzend, stellte er den Teller vor Marianna Seib ab und trat zurück.
Munder wischte sich mit der schon arg mitgenommenen Servierte Essenreste vom Mund und rang nach Luft.

Die junge, attraktive Frau lächelte zufrieden. Solange sie den dicken Alleinherrscher des Bundes bei Laune halten konnte, standen ihre Chancen gut. Sie schnitt ein Stück des Fleisches ab - der Präsident hatte es nicht für nötig befunden, mit dem Essen zu warten, bis auch ihre Mahlzeit eingetroffen war - und begutachtete es. Fein strukturiert und blutig. Sie steckte es in den Mund und genoss das strenge, harte Aroma des toten Säugetiers.
"Wie können sie das nur so essen?", fragte Munder und schüttelte sich. Dann wies er mit den Wurstfingern auf seinen eigenen Teller, wo sich ein Stück beinahe verbranntes Fleisch an den Rändern aufwölbte. "So muss Rind zubreitet sein. Gut durch und knusprig!"

Der fette Klops... Vorsicht, ermahnte sich Marianna. Egal, wie abstoßend sie den Mann fand, der ihr im eigens dafür geräumten Schmausheim in Las Mares gegenüber saß, sie durfte zwei Dinge nicht vergessen: Erstens, er war der Präsident und damit der mächtigste Mann des Landes. Das untermauerte auch das Aufgebot an GeSiDi-Beamten vor der Tür und sogar in der Küche. Zweitens, sie wollte etwas von ihm.
"Ich mag es eben gern... roh", sagte sie und zwinkerte ihm anzüglich zu. Erneut brach er in schallendes Gelächter aus und diesmal flog ein Stück der echten Erdbeeren aus seinem Mund bis auf ihren Teller. Sie ließ sich nichts anmerken, schob es aber zusammen mit ein Paar Sprossen an die Seite.
Jetzt war die Zeit gekommen. Sie nahm einen weiteren kleinen Bissen, um den Mund nicht voll zu haben, wenn er seinen Lachanfall beendet hätte und wartete. Als Munder schnaufend zum Aqua Nova im geschliffenen Kristallglas griff, startete sie ihren Angriff.
"Präsident Munder", setzte sie an, aber er hob die Hand, schluckte glucksend und sagte: "Eric!"
Sie lächelte. "Eric. Wir wollten noch über die zulässige Quote für den Im- und Export von..."
Weiter kam sie nicht, denn die Tür flog auf und ein gedrungener Mann in einem teuren, aber schlecht sitzenden Anzug kam hereingestürmt. Ohne zu zögern, trat er neben Munder und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
"Was?", brüllte der und sprang auf. "Diese Minenkriecher haben es gewagt? Dieser hirnlosen Schiffsschrauber, die sich für die Krüppel bücken?"

Für einen Augenblick sah es aus, als würde sein roter, pulsierender Hals platzen, dann wandte er sich wortlos ab und stürmte zur Tür. "Denen werd ich zeigen, was es heißt, sich mit Eric Munder anzulegen. Diese stawischen Hurensöhne! Ich werd euch lehren, wie man mit städtischen Schiffen umzugehen hat!"
Die Tür blieb offen stehen und Marianna konnte den Präsidenten auf seinem Weg zu seinem Elektromobil fluchen hören. Was immer da auch passiert war... es hatte ihr das Geschäft fürs Erste versaut. Mit finsterer Miene schob sie den Teller zur Seite. Ihr war der Appetit gründlich vergangen.

Ins Schwarze

Eine LodlanD-Kurzgeschichte von Mirko Beine

Die Gäste des "Rohrkrepierers" hielten den Atem an. Kein Ton erschütterte die Luft ? nur vereinzelte Rauchschwaden von Zigaretten, Zigarillos und Zigarren zogen als Fäden nach oben, wölbten sich an der Decke und vereinigten sich mit der nebligen Schicht, die über den Tischen der Kneipe schwamm.
Alles konzentrierte sich auf den Tisch, der in der Mitte stand. Dort balancierte Wenzislav auf einem Bein, hielt das andere hinter sich gebeugt und ruderte mit den Armen um Gleichgewicht. Er wankte gespannt leicht nach links, dann leicht nach rechts und ein Grinsen glitt über seine Züge, als er das Gleichgewicht fand und das Bein durchstreckte wie die ölverschmierte, Blaumann tragende Travestie einer Ballerina.
Er verharrte einen Augenblick. Dann nickte er Radu zu.
Wenzislavs Maschinistenkumpel nestelte in den Taschen seines Overalls und zog einen roten Gummiball hervor. Dabei ließ er seine Augen nicht von dem zur Statue erstarrten Chefmechaniker der DS Czernobog. Er bewunderte die Ausdauer und den feinen Sinn seines Vorgesetzten, der Enterkämpfer mit einem armlangen Schraubenschlüssel verdrosch und auf einem kleinen, runden Kneipentisch balancieren konnte, während ihm die Menge zusah.
Radu neigte fragend den Kopf und sah, wie eine Schweißperle von Wenzislavs Stirn rann, über seinen Nasenrücken, und an der Spitze hängen blieb, salzig und schwer.
Wenzislav zwinkerte.
Das war das Zeichen.
Radu versuchte, die starrenden Augenpaare aus seinem Geist zu verbannen. Sein Freund vertraute ihm. Er musste den richtigen Bogen, die richtige Weite erwischen?
Radu warf. Der rote Ball stieg nach oben, wie von Rettungsballons gezogen, und durchwirbelte die sumpfige Rauchdecke. Er beschrieb eine leichte Kurve und fiel?
Zu weit!
Doch da schnellte Wenzislavs Kopf schon nach hinten. Der Schweißtropfen flog glitzernd davon, als seine Nase nach oben stieß, auf den fallenden Ball zu.
Er erwischt ihn nicht?
Der rote Ball kam auf Wenzislavs Nasenspitze auf. Er versuchte, seinen jäh unterbrochenen Fall nach links oder rechts fortzusetzen, doch die Nase war schneller.
Schließlich blieb der Ball liegen.
Radu atmete aus, und Wenzislav streckte sich durch und drehte die Handflächen nach oben. Dann verbeugte er sich leicht nach vorne, den Kopf starr in den Nacken gezogen.
Der erste, ein kleiner Mann, der vorne im Kreis um ihren Tisch stand, hob an zu applaudieren. Da krachte die Tür auf, und eine grölende Gruppe Soldaten trat in die Kneipe. Der Ball fiel, hüpfte auf dem Boden auf, noch einmal. Niemand beachtete ihn. Die Kneipengäste hatten nur Augen für die Neuankömmlinge, die ihnen die Show versaut hatten.
Die drei Soldaten hatten aufgehört zu grölen und starrten dümmlich zurück in die Masse.
Sie trugen die Uniformen der stawischen Marine.
An der Bar erhob sich ein bulliger Mann mit kahl geschorenem Schädel.
"Ihr stört `ne prima Vorstellung", sagte er und knackte mit den Knöcheln.
"Solltet uns n? guten Grund geben, damit wir euch nicht sofort rückwärts wieder rausprügeln."
"Jau, solltet ihr besser", keifte ein schmächtiges Männlein neben ihm und nickte dem Wal von Mann grinsend zu.
"Halt?s Maul, Kustic", grunzte der andere, fixierte wieder die Soldaten und verschränkte die Arme abwartend vor seiner breiten Brust. "Also?"
"Wir haben einen Grund!", lallte der mittlere der drei, wankte vor und hielt sich an einem Tisch fest.
"Wir haben heute", rief er mit deutlich alkoholschwangerer Stimme in die Menge, hob dabei den Finger und drehte sich langsam um sich selbst, "wir haben heute ein gottverfluchtes Bundesschiff auf den Meeresgrund geschickt, ewig und endgültig."
Er lachte.
"Die Deppen dachten, sie könnten sich an unserem Sonar vorbei schleichen. Aber", grölte er riss den Arm hoch und schwang ihn unkontrolliert in Richtung seiner Kameraden, "am Sonar von unserer alten DS Nikolay SCHLEICHT man sich nicht einfach vorbei! Die wollten sich nicht identifizieren, die städtischen Hundesöhne! Als wir ihnen befahlen, einen Inspektionstrupp an Bord zu lassen, haben sie das Feuer auf eines unserer Geleitschiffe eröffnet und versucht, die Flucht zu ergreifen. Aber", schrie er jetzt, lief rot an und wackelte drohend mit der Faust, "vor unserer Nikolay FLIEHT man auch nicht! Tot, das Pack! Hah! Bamm, Bamm, Bamm, so ging das aus den Geschützen, dass es eine Pracht war!".
Er zielte mit den Fingern auf einen imaginären Feind vor sich und verzog wütend das Gesicht.
"BAMM!", schrie er noch einmal.
Dann hielt er inne, verdrehte die Augen nach oben und fiel um.
Pfiffe und Applaus ertönten in der Menge, als die zwei Kameraden des Bewusstlosen ihm aufhalfen. Der Riese kam von der Theke und klopfte beiden auf die Schultern, so dass sie fast wieder zu Boden krachten.
"Habter gut gemacht, habter das!"
Er hob herausfordernd seine riesigen Fäuste und brüllte an die Kneipendecke: "Munder, schick uns mehr von deinen Kähnen. Zu viel Munition, das reicht für die Monarchier und für dich!"
Die Gäste lachten und klatschten sich auf die Schenkel. Die zwei Soldaten hievten ihren Kameraden auf einen Stuhl und gingen dann an die Theke.
Niemand beachtete den dünnen Mann, der eilig den "Rohrkrepierer" verließ.
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